Google Core Update Juni 2021

Das Google Core Update Juni 2021 und Ausblick auf das Juli Update und das weitere Jahr

Mit dem bereits abgeschlossenen ersten Teil des Juni Core Updates werden laut Google noch zwei weitere größere Updates live gehen, um die Qualität der Suchergebnisse hinsichtlich Suchintention und Nutzerfreundlichkeit noch besser abzustimmen. Neben dem ersten Core Update des Jahres kommt zudem das schon lange im Vorfeld angekündigte Page Experience Update ins Rollen. Die Frage, die unweigerlich daran gekoppelt ist, lautet daher: Bedeuten viele Updates auch viele gravierende Änderungen in den SERPs?

Die aktuellen Geschehnisse haben wir analysiert und unsere Einschätzung in diesem Ein- und Ausblick zusammengefasst. Für eine umfassendere Einordnung haben wir zudem acht SEO-Experten aus ganz verschiedenen Branchen zu ihren Meinungen dazu befragt:

Welche Kernaussagen der Experten haben sich zu unseren Fragen herauskristallisiert?


1) Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

  • Einen Vorläufer gab es mutmaßlich bereits im April / Mai, da hier zum Teil deutliche Veränderungen auftraten.
  • Diesmal die Besonderheit: Google rollt ein Core-Update in zwei Teilen binnen zwei aufeinander folgender Monate aus.
  • Es zeigt sich keine so große Dynamik in den SERPs wie bei den vergangenen Core-Updates. Viele Domains bleiben unbeeindruckt und bezüglich der Entwicklung innerhalb einer normalen Range (+/-) / normalen Volatilität.
  • Ihren Höhenpunkt erreichte das Beben am 06.06. Dabei betraf es wohl alle Kategorien, und zwar ohne Ausnahme.
  • Ein Beben muss nicht zwangsläufig zu einem Schaden führen – wie etwa eine eindeutige Abnahme an GSC Klicks für die jeweils relevanten Keywords.
  • Bei den informationellen Keywords hat sich dieses Update am stärksten ausgewirkt (Themen: SEO, Marketing, Finanzen).
  • Bei anderen Keywords wurden die SERPs von Google stark angepasst, insbesondere, wenn es sich um eine SERP Feature handelte.
  • Ggf. nutzt Google das Juli-Update, um nochmals zu korrigieren oder Änderungen zu relativieren.
  • Größere Veränderungen sind im zweiten Teil der Updates eher nicht zu erwarten.
  • Google hat bisherige Änderungen am Algorithmus-Kern wahrscheinlich verfeinert.
  • Mehr Bewegung zeigt sich bei Branchenbüchern.
  • YMYL Seiten sind diesmal nicht so stark betroffen, wie bei den beiden letzten Updates.
  • Im Ausland (u. a. Frankreich, Spanien) zeigen sich deutlich stärkere Veränderungen.
  • Betroffene Domains haben eher in der Breite verloren oder gewonnen. Gezielte Abstrafungen von Verzeichnissen sind nicht zu beobachten.
  • Abwarten ist die richtige Methode, wenn es um die Google Updates geht.

 

2) Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

  • EAT (Expertise, Authority, Trustworthiness) ist nach wie vor ein wichtiges Thema.
  • Es zeigt sich ein Fokus auf Brands. Während EAT etc. schwerer zu messen ist als die Brand, sind die Veränderungen hier eindeutiger.
  • SERP Features können immer noch der Schlüssel für bessere Rankings werden.
  • Websites mit Verlusten zeigen sich in der Regel fachlich „dünn“ und verfügen über keine ausreichenden Belege über die tatsächliche Fachkompetenz der Autoren.

→ ggf. externe Experten an Bord holen, welche Beiträge umsetzen oder die Korrektheit fundiert bestätigen können

→ Autorenboxen mit Links auf Autorenseite

→ Autorenseite mit Vita und Nachweisen der Fachkompetenz

→ Verlinkungen auf Publikationen, Fachbeiträge oder Bücher zum jeweiligen Experten

  • Bei Verlusten ist es sinnvoll, zunächst zu prüfen, was genau passiert ist, statt in Panik zu verfallen.
  • Es ist ratsam, den zweiten Teil des Updates abzuwarten, wie auch von Google erwähnt.
  • Eine Markt- / Wettbewerbsanalyse hilft dabei, sich in seiner Branche einen Überblick zu verschaffen, denn die Rankingsignale sind nicht pauschal auf die Gesamtheit aller Branchen zutreffend/anwendbar.
  • Die Bildung von Themenclustern/-silos unter Nutzung von Hub-/Pillarpages ist insofern sinnvoll, um dezentral verteilte Inhalte zum gleichen Themenkomplex zu bündeln oder lange Texte ordentlich zu gliedern.  
  • Backlinks sind nach wie vor wichtig bezüglich der Beschleunigung und Stärkung der Bildung von Trust und Autorität.

→ Seeding von Mehrwert-Content mit hoher Diversifizerung der Publikationsplätze, um Backlinks aufzubauen.

→ Optimierungspotential der Website identifizieren

→ Nutzererlebnis prüfen und fördern (Stichwort Nutzerfreundlichkeit)

→ Suchintention prüfen

→ gute Websitestruktur mit guter interner Verlinkung

 

3) Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

  • Google wird dazu hochgradig noch weitere Updates releasen.
  • Der Fokus sollte weiterhin auf ordentlichen Inhalten (Stichwort: Mehrwert, User-Journey, Suchintention) und optimierten internen Verlinkungen liegen.
  • Sinnvoll ist es, die Nutzerfreundlichkeit zu optimieren / im Auge zu behalten und UX als Teil der SEO zu betrachten, da der Gesamtmix entscheidend ist.
  • Bezüglich der Core Web Vitals:

→ Die Auswirkungen werden höchstwahrscheinlich nicht so groß ausfallen.

→ Pagespeed ist wichtig aber in einem Gesamtbild der Nutzererfahrung.

→ Es ist wichtig, die Wettbewerber im Auge zu behalten und zu schauen, wie diese performen. Je nach Situation wären dann Maßnahmen sinnvoll.

→ Dies ist nur ein Rankingfaktor von vielen und nicht unbedingt der (Ge-)Wichtigste.

→ Unter den drei Faktoren ist CLS (Cumulative Layout Shift) besonders interessant, da dies Nutzer am meisten verärgern dürfte.

Zum Status Quo des Juni Core-Updates Teil 1 von 2

Am 02. Juni präsentierte Google sein erstes großes Update für 2021. Gegenüber den Jahren 2018 bis 2020 hatte sich das Unternehmen diesmal deutlich mehr Zeit gelassen, denn bislang konnte jeder davon ausgehen und sicher sein, dass innerhalb des ersten Quartals entsprechende Ankündigungen auf Twitter erscheinen und zumeist sehr zeitnah in die Realität umgesetzt werden.
Überraschend ist diesmal auch, dass Google den schlicht als „June 2021 Core Update“ bezeichneten Release-Kandidaten durch ein zweites Update im Juli („July 2021 Core Update“) erweitern wird, da einige der geplanten Änderungen nicht rechtzeitig finalisiert werden konnten.

 

Some of our planned improvements for the June 2021 update aren’t quite ready, so we’re moving ahead with the parts that are, then we will follow with the rest with the July 2021 update. Most sites won’t notice either of these updates, as is typical with any core updates.... (Google)


Nach etwa zehn Tagen war der weltweite Rollout am 12.06.2021 auch schon wieder offiziell beendet. Bei dem Update handelte es sich um ein klassisches „Breitband-Update“ mit weltweitem Wirkungskreis, unabhängig von Sprache, Region, Branche und Website-Typ.

Google betonte im obigen Zitat, dass sich die Neuerungen nicht mehr oder weniger spürbar auf Websites auswirkten als die vergangenen Updates. Die Aussage war – wie von Google gewohnt – nicht sehr gehaltvoll und auch die Handlungsempfehlungen bei negativem Impact fielen erwartungsgemäß generisch bzw. dünn aus.

Hatte das Core Update nennenswerte Auswirkungen?

Die ersten Auswirkungen des Updates auf die Sichtbarkeiten konnten ab dem 05.06. beobachtet werden. Allerdings handelte es sich dabei größtenteils um eher geringe Gewinne oder Verluste. Zusammengefasst formuliert hatte das jüngste Update bei weitem nicht den Impact in der Breite wie die vorausgegangenen Releases.

Viele Domains, die bei den letzten Updates deutlich reagierten, sind diesmal weitaus weniger betroffen oder gar unbeeindruckt geblieben. Umgekehrt reagierten aktuell solche Domains auffällig, die in der Vergangenheit von den Core-Updates weitestgehend nicht berührt wurden. Letzteres lässt vermuten, dass Google diesmal elementare Algorithmen und Metriken einsetzt, die neue Aspekte berücksichtigen, um die Qualität der Suchergebnissen weiter zu steigern.

Grundlegend war zu beobachten, dass sich Sichtbarkeitsänderungen nicht so abrupt wie seither, sondern eher kontinuierlich über mehrere Tage hinweg entwickelten.

 

Top 100 Gewinner-Domains

Ein Blick in die aktuelle Top 100 Liste von Searchmetrics zeigt, dass hier viele Domains einen Sichtbarkeitsboost erleben durften. Im folgenden Screenshot weisen acht der gelisteten Domains (z. B. onlinestreet.de) einen extremen Anstieg innerhalb des Zeitfensters 30.05.2021 und 20.06.2021 auf.

In der Summe haben offensichtlich Domains gewonnen, die den Suchmaschinennutzern Informationen zu verschiedensten Themen anbieten. Von downloadbaren Bedienungsanleitungen über Shop- und Anbieterbewertungen, von Adressauskünfte bis hin zu dedizierten Ratgeber- und Wissensseiten sind Inhalte betroffen, die dem Nutzer das Leben (im Internet) vereinfachen, Tipps und Hilfestellungen anbieten und Recherchearbeit abnehmen möchten.

 

Quelle: Searchmetrics Gewinnerliste (absolute Zugewinne) – Stand 20.06.2021

Quelle: Searchmetrics Gewinnerliste (absolute Zugewinne) – Stand 20.06.2021

Gewinner nach Themenschwerpunkten

Die offensichtlichen Gewinner mit Extremanstiegen lassen sich ganz unterschiedlichen Themenschwerpunkten zuordnen, die wir hier auflisten.

Hinweis: Die Domains werden gruppiert dargestellt, um eine gestraffte und bessere Übersicht zu bieten. Sie stehen nicht zwingend in direktem Wettbewerb miteinander. Weiterhin sind einige Domains enthalten, die bereits in der Top 100 Liste vom 13.06.2021 enthalten waren und weiter dazu gewonnen, es aber nicht in die aktuelle Liste geschafft haben. Diese Domains sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Online-Branchenbuch

Beispiele (Sichtbarkeitsplus seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

onlinestreet.de +107.000 +99 %
cylex.de +44.000 +152 %
oeffnungszeitenbuch.de +30.000 +54 %
gelbeseiten.de +31.000 +44 %
ortsdienst.de* +19.000 +440 %

*In Top 100 Gewinnerliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Digitale Dokumente & Software (Anleitungen, Magazine, Zeitungen)

Beispiele (Sichtbarkeitsplus seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

docplayer.org (Digitale Dokumente Up-/Download) +34.000 +98 %
manualslib.de (Digitale Dokumente Up-/Download) +22.000 +85 %
msdmanuals.com (Digitale Dokumente Up-/Download) +20.000 +28 %
libble.de (Digitale Dokumente Up-/Download) +15.000 +122 %
yumpu.com (Magazine / Zeitschriften online betrachten) +29.000 +119 %
freeware.de (Download Freeware-Software inkl. Tests) +28.000 +118 %

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Wissen/Ratgeber (Wissen, Bildung)

Beispiele (Sichtbarkeitsplus seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

dewiki.de (Allgemeine Wikipedia) +52.000 +314 %
webwiki.de (Allgemeine Wikipedia) +12.000 +219 %
wasistwas.de (Wissen für Kinder) +51.000 +198 %
helpster.de (Allgemeine Ratgeber) +78.000 +471 %
leading-medicine-guide.de (Gesundheit/Medizin, Expertensuche, Fachbeiträge) +11.000 +24 %
bildungsserver.de (Bildung, Portal und Suchmaschine) +14.000 +50 %

*In Top 100 Gewinnerliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Kundenservice (u. a. Kündigungsvorlagen, Hotline-/Kontaktrecherche, Login-Hilfen, Suchhilfen, Website-Statistiken)

Beispiele (Sichtbarkeitsplus seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

kuendigung.org (Kündigungsvorlagen, Tipps) +30.000 +349 %
kundenservice.de (Suche von Hotlines, Kontaktwegen) +27.000 +340 %
finde-offen.de (Öffnungszeiten) +10.000 +277 %*
picclick.de (Suchhilfe für Ebay) +108.000 +355 %
loginii.com (Suchhilfe für Logins) +13.000 +288 %*
mein-login.info (Suchhilfe für Logins) +14.000 +242 %*
suchmaschinen-datenbank.de +9.000 +151 %*
urlm.de (Domainstatistiken) +10.000 +146 %*

*In Top 100 Gewinnerliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Bewertungsportale (Bewertungen von kommerziellen Seiten, Software, Alternativen-Recherche)

Beispiele (Sichtbarkeitsplus seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

alternative-zu.de +28.000 +58 %
erfahrungen.com +24.000 +446 %
shopauskunft.de +33.000 +368 %

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Preisvergleiche / Anbieter-Vergleichsportale

Beispiele (Sichtbarkeitsplus seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

yopi.de (Allgemeiner Preisvergleich) +17.000 +323 %
trusted.de (Vergleich Business-Software) +22.000 +154 %
vergleich.org (Allgemeiner Preisvergleich) +23.000 +306 %
preisgenau.de (Allgemeiner Preisvergleich) +10.000 +126 %*
toptarif.de (Vergleich Strom-, Gas-, Versicherungsanbieter) +12.000 +67 %
dslweb.de (Vergleich Internet-Provider) +23.000 +66 %*

*In Top 100 Gewinnerliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Verlierer des Updates

Bei der Betrachtung der aktuellen Top 100 Verliererliste von Searchmetrics (≥ 10 % Verlust seit dem 30.05.2021) fallen mehrere Websites der jeweils gleichen Branche auf.

Top 100 Verlierer-Domains

Quelle: Searchmetrics Gewinnerliste (absolute Zugewinne) – Stand 20.06.2021

Quelle: Searchmetrics Verliererliste (absolute Verluste) – Stand 20.06.2021

Reiseseiten (Reiseanbieter)

Beispiele (Sichtbarkeitsverlust seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

urlaubsguru.de -47.000 -22 %
reiseuhu.de -14.000 -30 %*
voucherwonderland.com -11.000 -28 %*
restplatzboerse.com -8.000 -35 %

*In Top 100 Verliererliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Bewertungsportale

Beispiele (Sichtbarkeitsverlust seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

trustpilot.com (Shops) -156.000 -37 %
kununu.com (Arbeitgeber) -24.000 -22 %*

*In Top 100 Verliererliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Online-Magazine, Online-Zeitungen, Wissensportale

Beispiele (Sichtbarkeitsverlust seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

wissen.de (Allgemeinwissen) -12.000 -32 %
gofeminin.de (Frauenmagazin) -35.000 -25 %
mopo.de (Zeitschrift/Nachrichten) -10.000 -25 %
t3n.de (Technikmagazin) -23.000 -23 %
winfuture.de (Technikmagazin) -40.000 -21 %
inside-digital.de (Technikmagazin) -51.000 -21 %
computerwoche.de (Technikmagazin) -13.000 -18 %

*In Top 100 Verliererliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Automobile (Börsen)

Beispiele (Sichtbarkeitsverlust seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

12gebrauchtwagen.de -11.000 -22 %*
autouncle.de -13.000 -29 %
pkw.de -20.000 -19 %

*In Top 100 Verliererliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Online-Branchenbuch

Beispiele (Sichtbarkeitsverlust seit 30.05.2021, Werte abgerundet):

dasoertliche.de -31.000 -15 %
dastelefonbuch.de -38.000 -16 %

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Gibt es bereits Erkenntnisse?

Backlinks könnte eine Rolle spielen

Wir haben uns stichprobenartig die Reisebranche und direkte Wettbewerber-Domains angesehen. Hier kann eine mögliche Korrelation zwischen Domainautorität und Trust und der Entwicklung gegeben sein, denn während Domains mit hohem LRT Power*Trust tendenziell zu den Gewinnern zählten, mussten jene mit schwächeren Werten Verluste hinnehmen.

 

Übersicht:

Domain SM (30.05.) SM (20.06.) Entwicklung LRT Power*Trust
tui.de 2.993 6.710 124,19 % 30
alltours.de 46.904 54.714 16,65 % 15
phoenixreisen.com 5.918 6.551 10,70 % 30
ab-in-den-urlaub.de 132.000 141.200 6,97 % 20
fti.de 52.166 55.799 6,96 % 30
lastminute.de 106.300 90.207 -15,14 % 12
urlaubsguru.de 209.400 161.600 -22,83 % 20
voucherwonderland.com 39.171 27.829 -28,96 % 8
reiseuhu.de 46.099 31.857 -30,89 % 8
restplatzboerse.com 24.650 15.991 -35,13 % 0
vtours.com 7.588 4.580 -39,64 % 10

 

Eine genauere Auswertung macht sicherlich erst dann Sinn, wenn das Google Core-Update im Juli vollständig ausgerollt worden ist und alle noch fehlenden Änderungen live gegangen sind.

 

Fehler oder neuer „Qualitätsanspruch“?

Was im negativen Sinne bei der Betrachtung der 200 Domains der Searchmetrics-Liste auffällt, sind Seiten, die unserer Auffassung nach nicht den Qualitätsansprüchen von Google entsprechen dürften.

Übersicht:

1. dewiki.de
+219 %*
2. urlm.de +149 %*

*In Top 100 Gewinnerliste vom 13.06.2021 enthalten gewesen

 

Zu 1.: Fallbeispiel dewiki.de

Diese Wikipedia hat massiv an Sichtbarkeit zugelegt.

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

Domain-Vergleich hinsichtlich Keywords:

Quelle: Searchmetrics

Massiver Zuwachs des Keyword-Pools

Quelle: Searchmetrics

Auszug der Gewinner-Keywords

Quelle: Searchmetrics

 

Am Beispiel des Begriffs „Apachen“, der aus dem Nichts auf Seite eins (Pos. 5) einstiegt, sind folgende beiden Seiten mit dem gleichen Content aufrufbar:

a. https://dewiki.de/Lexikon/Apachen

b. https://de.wikipedia.org/wiki/Apachen

URL a. rankt parallel zu URL b. in den Google SERPs, was generell problematisch ist, da hier dem Suchenden keine einzigartigen Ergebnisse präsentiert werden.

Auch weitere Tests ergaben, dass der für die Indexierung freigegebene Content auf beiden Domains existiert. Wer hier für die Duplizierung verantwortlich ist und welches Ziel hier verfolgt wird (insbesondere bei der dewiki.de), ist eher nebensächlich. Hier sollte Google nachjustieren, um die inhaltliche Diversifizierung voranzutreiben.

 

Zu 2.: Fallbeispiel urlm.de

urlm.de (unsichere Verbindung über http) ist ein Paradebeispiel für eine Website, die spezielle technische Informationen vorhält. Diese sind für die meisten Suchenden bzw. Suchanfragen hochgradig uninteressant, dennoch rankt das Portal zu suchvolumenstarken Begriffen zu Marken und deren Website-URLs. Die Sichtbarkeit ist entsprechend hoch.

 

Sichtbarkeitsentwicklung

Quelle: Searchmetrics

 

Neben dem doch recht dünnen Inhalten rankt die Seite auch zu Falschschreibweisen (Tippfehler, mangelnde Sprachsicherheit), wie z. B. „autscout24“.

 

Screenshot:

Quelle: Searchmetrics

Offtopic am Rande:

Gemäß der Angabe im Verzeichnis „Über uns“ ist der Arbeitseifer für die Aufrechterhaltung und den weiteren Ausbau der Website seit 2012 eher stagnierend.

Quelle: urlm.de

Page Experience Update

Pünktlich zum 15.06.2021 hat Google mit dem Rollout dieses bedeutsamen Updates offiziell begonnen. Das Update war bereits seit langem für Mai 2021 angekündigt und kurzfristig auf Juni verschoben worden, um den Website-Betreibern etwas mehr Zeit für die Optimierung zu geben und vermutlich auch der schwierigen Situation durch die Corona-Pandemie Rechnung zu tragen.

Hierbei findet ebenfalls eine Einspielung in die Datencenter weltweit statt. Bis zur vollständigen Integration und zu den möglichen Auswirkungen auf die Rankings werde es aber bis Ende August 2021 dauern, so Google.

Wichtig zu wissen: Das Update steht in keiner direkten Beziehung zu den Core Updates und es sind aus diesem Grund keinerlei direkte Wechselwirkungen bzw. Abhängigkeiten zwischen ihnen zu erwarten.

 

Was ist das Page Experience Update?

Das Update legt den Schwerpunkt auf die Sicherheit sowie die Nutzererfahrung mit der Zielseite der Google-Suchergebnisse. Die enthaltenen fünf Kernkomponenten sind im folgenden Bild abgebildet.

Bestandteile der Google Page Experience

 

Eine besondere Aufmerksamkeit wurden den Core Web Vitals (CWV) zuteil, da von den Experten bei Google eine Gruppe von Einzel-Metriken mit konkreten Bewertungsbereichen erarbeitet wurde, die als offizielle Rankingsignale einfließen sollen:

  • LCP (Largest Contentful Paint)
  • FID (First Input Delay)
  • CLS (Cumulative Layout Shift)

Diese drei Faktoren repräsentieren hierbei eine Teilmenge einer Vielzahl weiterer Metriken, die laut Google als hochrelevant eingestuft und bevorzugt optimiert werden sollten. Google behält sich jedoch vor, die Bestandteile zukünftig anders zu gewichten oder aber zu ändern / zu ersetzen.

 

Web Core Vitals-Metriken und deren Schwellwerte

 

Was ist die logische Konsequenz aus dem Update?

Mit dem Page Experience Update wird ganz klar deutlich, dass zukünftig nicht nur den Inhalten, der Navigationstruktur etc., sondern auch der UX eine maßgebliche Bedeutung beim Thema SEO beigemessen werden sollte und im Gesamtmix der Maßnahmen unerlässlich ist.

 

Wir werden uns noch einige Zeit mit den Web Vitals beschäftigen müssen. Das ist eine gute Entwicklung und zeigt deutlich, dass SEO ein integrativer Bestandteil von UX sein sollte. Insbesondere beim Largest Contentful Paint (LCP) und Cumulative Layout Shift (CLS) sehe ich noch deutliche Optimierungspotenziale.

Sascha Otto - Inhouse SEO Experte für die E.ON Digital Technology GmbH
 

Bei den Core Web Vitals geht es einfach darum, dass der Content schnell genug für den Nutzer bereitsteht, dass er diesen sofort nutzen oder damit interagieren kann. Das Wichtigste in meinen Augen ist der dritte Faktor, der Cumulative Layout Shift (CLS). Hier geht es darum, dass der Content sich nach dem Laden nicht mehr verschiebt oder springt, da an Positionen innerhalb des Contents noch eine Werbung, ein Bild oder ein Video nachgeladen wird. Das ist für mich als Nutzer das schlimmste Erlebnis. Da würde ich die Seite am liebsten direkt wieder verlassen.

Stefan Godulla - Selbständiger SEO und Experte für Online-Marketing
 

(…) Zudem bin ich gespannt, wenn die Core Web Vitals als Ranking-Faktor fertig ausgerollt sind. Ob die Core Web Vitals massive Auswirkungen auf die SEO-Sichtbarkeit haben werden, da bin ich noch zurückhaltend. Man muss berücksichtigen, dass andere Rankingfaktoren wie Nutzersignale, Mobile-Friendlyness, etc. weiterhin eine große Rolle spielen und es dann auch auf den Gesamtmix ankommt. Interessant wird es für mich, ob Google solche Websites, die gute Core Web Vitals-Werte aufweisen, in den SERPs entsprechen kennzeichnet. Falls ja, kann sich das auf die CTR auswirken, wo wir wieder beim Thema „Nutzersignale“ sind.

Demir Jasarevic - SEO und Webanalyst bei ottonova.de
 

Gibt es bereits Erkenntnisse?

Erkennbare Auswirkungen des seit einigen Tagen in Aktion befindlichen Updates können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht bestätigen. Viele der Domains, die den Test zu den Core Web Vitals bestanden haben, zeigten entweder keine Ausreißer in der Entwicklung der letzten Wochen oder es ließ sich aufgrund der zeitlichen Überlappung mit dem Core-Update und dessen möglichen Auswirkungen auch nach dem 12.06. keine klare Separation durchführen.

Dass das Page Experience Update einen hohen Einfluss auf die SERPs und Rankings haben wird, ist insgesamt eher unwahrscheinlich. Einen Hinweis darauf liefert beispielsweise die Aussage von Google, wonach die Page Experience eine von vielen berücksichtigten Faktoren sein wird:

While this update is designed to highlight pages that offer great user experiences, page experience remains one of many factors our systems take into account… Given this, sites generally should not expect drastic changes (Google)

 

Es ist daher zielführend, zu prüfen, wie die eigene Website innerhalb der Branche im Vergleich mit den Wettbewerbern abschneidet. Die im Rahmen des Chrome UX Reports gesammelten Daten sind allesamt öffentlich einsehbar, sodass detailliert recherchiert und hierzu auch über die Google API Daten genutzt werden können. Sollte dabei ein klares Defizit gegenüber den direkten Wettbewerbern existieren, ist eine Optimierung sinnvoll und die Antwort auf die obige Frage „ja“.

Google stellt einigen Support in Form von Tools wie Lighthouse oder dem entsprechenden GSC Report zur Verfügung. Detaillierte Ableitungen lassen sich darüber hinaus mit der Entwickler-Konsole treffen. Trotzdem denke ich, wird es noch einige Zeit dauern, bis ein Großteil der Domains entsprechende Anpassungen umgesetzt hat. Von einem allzu großen Umbruch der Suchergebnisse durch das Page Experience Update gehe ich nicht aus. Über kurz oder lang wird dies aber einen Unterschied zwischen einzelnen Wettbewerbern machen.
Die Nutzererfahrungen noch einmal deutlich als Rankingsignale zu bewerten, halte ich für einen wichtigen Schritt.

Sascha Otto - Inhouse SEO Experte für die E.ON Digital Technology GmbH

Das ewige Lied von EAT

Die hinlänglich bekannten und viel diskutierten EAT-Kriterien (Expertise, Authority, Trustworthiness) sind nach wie vor die wichtigsten Eckpfeiler und bleiben der Hauptbeweggrund für die Google Core Updates. Auch wenn im Juni 2021 Core Update keine signifikanten Ereignisse bei den aus vergangenen Updates bekannten Domains zum Thema YMYL (Your Money Your Life) auftraten, ist stark anzunehmen, dass Google das aktuelle Release bezüglich EAT verfeinert und erweitert hat.

EAT ist kein direkter Rankingfaktor, sondern vielmehr eine Art Konzeptionierung, wie Seiten ganzheitlich betrachtet und eingestuft werden können. Positive Signale nehmen in diesem Kontext wiederum Einfluss auf mögliche Rankings. Somit wird sich eine Optimierung der Einflussfaktoren von EAT zu einem bestimmten Zeitpunkt bemerkbar machen und auszahlen. Ein Blick in die Quality Rater Guidelines hilft zu verstehen, wie Google „tickt“ und was hier im Fokus zur Bewertung von Websites steht.

 

Experten sind gefragt

Heutzutage wird das Internet überschwemmt von selbsternannten Experten, sodass es immer schwieriger wird, die Spreu vom Weizen zu trennen und bei sensiblen Themen wirklich lesenswerte, vertrauenswürdige und fachlich fundierte Beiträge ranken zu lassen. Insbesondere die YMYL-Websites (u. a. zum Thema Gesundheit, Finanzen, Erziehung) sollten daher ihre Hausaufgaben weiterhin erledigen.

Hierzu gehört vor allem der Ausbau des Expertenstatus zum jeweiligen Thema, dem selbstredend hochwertige Fachbeiträge zu Grunde liegen sollten. Neben dem Aufgebot eigener Experten mit Nachweis der fachlichen Kompetenzen ist auch der Einsatz externer Fachautoren mit solider Reputation denkbar. Wichtig ist, dass alles – und hiermit ist vordergründig die Offenlegung der Person (Vita, Kompetenznachweise) gemeint – transparent dokumentiert wird.

 

Autorenboxen oder Autorenseiten bilden eher allgemeine, journalistische Kompetenzen ab. Da sind keine speziellen Reputationen im Finanzbereich zu sehen. Hier sollte man definitiv weiter ansetzen und dabei jedes Potential ausschöpfen, das möglich ist. Wenn man sicher ist, dass der fachliche Content zu YMYL (Your Money Your Live) gut und valide ist, man aber keine eigene Reputation zu dem Thema hat, sollte man sich "Paten" suchen – also Experten aus dem Bereich, welche diese Inhalte validieren und als fundiert bestätigen. Von diesen Personen sollten Autorenboxen angelegt und auf eine Autorenseite mit Vita verlinkt werden. Dort Verlinkungen zu den Veröffentlichungen, Fachbeiträgen, Büchern, etc. zu dieser Person platzieren. Diese Links sollten eher zum Verlag oder zur referierenden Institution oder Fakultät führen – statt eines Affiliate Links zu Amazon. Wenn man selbst über eine entsprechende Reputation verfügt, sollte man diese Dinge erst Recht machen.

Stefan Godulla - Selbständiger SEO und Experte für Online-Marketing

Das Thema EAT ist und bleibt besonders wichtig. Websitebetreiber, insbesondere im Finanzsektor, sollten also weiterhin auf qualitativ hochwertige Texte von Fachautoren setzen und somit Ihre Expertise, Autorität und den Trust auch nach außen darstellen. Dazu beitragen können beispielsweise Autorenprofile und Autorenboxen. Bei Fachtexten ist zudem eine genaue Nennung von zuverlässigen Quellen von Vorteil. Eine gute externe Verlinkung von vertrauenswürdigen Partnerseiten hilft zusätzlich.

Mario Glashauser, SEO Manger bei LV 1871

Themencluster und nutzerzentrierter Content

Natürlich müssen auch Website-Betreiber abseits von YMYL hochwertige Inhalte produzieren und ansprechend präsentieren, denn die Zeiten von oberflächlich zusammengestelltem Content und minderwertigen Texten für Quick-Wins sind längst vorüber. Wer zu seinen in der Branche oder Nische relevanten Begriffen ranken möchte, kommt um passend ausgerichtete und einzigartige Content-Stücke nicht herum. Die Erstellung, Aktualisierung und der Ausbau der Content-Struktur sind ein permanenter Prozess, in den Zeit (und auch Geld) investiert werden muss.

So kann die Bildung von Themenclustern deutliche Signale für die Suchmaschinen erzeugen. Konglomerate von Seiten, die Themen holistisch aufgreifen und über eine zentrale, übergeordnete Seite (Pillar Page) verlinkt sind, können Longtail-, aber auch Short-Head-Rankings stärken. Es muss dennoch immer wieder betont werden, dass Inhalte für den Nutzer geschrieben werden sollten, um ihn „abzuholen“ und zu begeistern.

Je nach Branche fällt der Customer-Journey unterschiedlich aus, sodass hier auch unterschiedliche Touchpoints in den Phasen der Informationsbeschaffung und Entscheidungsfindung vorliegen. Dies ist durch Analysen zu berücksichtigen und umzusetzen.

 

Lange und ausführliche Hub- oder Pillar-Pages, die ein Überthema allumfassend abdecken, sind bei einigen Themen auf dem Vormarsch und werden aus meiner Erfahrung gerade für sehr allgemeine Short-Head Keywords mit hohen Suchvolumina immer stärker. Es kann daher Sinn machen, den eigenen Content entsprechend zu überprüfen. Wenn man bisher sehr feines Keyword-Splitting betrieben und für jedes Unterthema eigene Sub-Seiten geschaffen hat, kann es unter Umständen Sinn machen, diese teils zu bündeln. Die neuen, längeren Texte müssen dann aber in jedem Fall gut und übersichtlich gegliedert werden. Zudem sollte man den Search Intent der User genau im Auge behalten und sich fragen, ob für ein bestimmtes Keyword eher Informationsseiten oder eher kommerzielle Seiten gewollt sind. Ein Abgleich mit den Top-10 Seiten für ein bestimmtes Keyword hilft dabei, die eigene Landingpage optimal auszurichten.

Mario Glashauser, SEO Manger bei LV 1871

Ausblick und Fazit

Google Core Updates

Die Auswirkungen im positiven und negativen Sinn waren in der Breite des Internets doch eher nüchtern. Allerdings steht mit dem zweiten Core Update ein weiterer Kandidat vor der Tür, der möglicherweise Unruhe stiften könnte. Es ist aktuell (noch) nicht bekannt, welche Neuerungen oder Änderungen Google im Juni-Update nicht berücksichtigen konnte und wollte.

Im Hinblick auf das Juli Core Update ist die Anmerkung von Google interessant, dass bei einem kleinen Teil der bewerteten Domains die Änderungen des Juni Updates wieder umgekehrt werden könnten – im positiven wie auch im negativen Sinn. Insofern sollten sich vor allem die Gewinner des Juni-Updates in Geduld üben und nicht voreilig auf den aktuellen Ranking-Boost anstoßen.

"Of course, any core update can produce drops or gains for some content. Because of the two-part nature of this release, it’s possible a very small slice of content might see changes in June that reverse in July...." (Google)

Mit dem Release des zweiten Updates werden wir nochmals Untersuchungen anstellen, um die finalen Auswirkungen besser bewerten und beurteilen zu können. Aktuell sind die Reaktionen der Sichtbarkeitsentwicklungen zu dynamisch, zum Teil absolut nicht nachvollziehbar oder aber zu undurchsichtig, um daraus plausible Hinweise auf domainübergreifende Korrelationen ausfindig machen zu können.

 

Page Experience Update

Das Update wird unserer Meinung keine größeren Auswirkungen haben, denn die Core Web Vitals repräsentieren einige wenige von vielen Rankingfaktoren. Dies ist aber kein Grund, die Seitenperformance und Nutzerfreundlichkeit zu vernachlässigen. Eine regelmäßige Prüfung im Vergleich mit dem eigenen Wettbewerb ist definitiv sinnvoll und empfehlenswert. Eine gute Performance und Usability wirkt sich auch auf die Conversion-Rate aus, sodass bestehender Traffic effizienter ausgeschöpft werden kann. Weitere messbare Metriken wie Bounce-Rate, Seitenverweildauer, etc. können sich ebenfalls zum Positiven hin entwickeln und hier wiederum weitere Grundlagen für gute Rankings schaffen (Stichwort: User-Signals).

Vollständige Fragen und Antworten der Autoren

STEFAN GODULLA

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Zum einen hatte ich schon ein bis zwei Wochen vorher das Gefühl, dass da was "im Busch" ist. Ich habe bei einigen meiner Projekte deutliche Veränderungen gesehen, welche z. B. zum offiziellen Datum des Updates (05.06.) keinerlei Bewegungen mehr hatten. Auch nicht kurz davor oder danach. Ich habe parallel Bewegungen gesehen, wie etwa im Bereich der Energieanbieter und Grundversorger.

Hier war besonders auffällig, dass es domainweite Auswirkungen waren, ohne Bezug auf ein bestimmtes Verzeichnis. Anders z. B. auf Gründerportalen, die wie die Finanzbereiche deutlich verloren haben. Da fehlte einfach auch nachweislich die Expertise. Im Bereich Reisen bzw. Tourismus habe ich ebenfalls positive Bewegungen gesehen, die aber ebenfalls schon Mitte/Ende April stattfanden. Mit dem offiziellen Update wurden davon wieder viele Rankings relativiert und verloren an Positionen.

Bezüglich der "Ausschläge" gab es hier meines Erachtens zum Teil schon eine Vorhut Mitte/Ende April. Das wurde dann zu Mitte Mai wieder reguliert und ist jetzt mit dem Update wieder an die Steigungen oder Verluste zu Mitte April angeglichen. Es fällt mir schwer, Google immer alles zu glauben und ich denke, das muss man auch nicht. Das Unternehmen hat aktuell so viel vor. Umstellung auf den Mobile Only Index, Page Experience Update und Core Updates.

Für den zweiten Teil im Juli schätze ich einfach, dass man die Abdeckung vervollständigt. Also, dass eher weniger in Sachen SERP-Dynamik passiert, sondern es einfach weitere und unter dem Strich ggf. dann alle Websites betrifft. Ich sehe eben auch Projekte, wo rein gar nichts passiert ist.

Interessant ist zu bewerten, inwiefern technische Aspekte diesmal eine Rolle spielen. Die Branche spricht eher davon, dass das diesmal keine Rolle spielt, aber ich bin bezüglich so kurzfristiger Aussagen immer vorsichtig. Wir haben bei entsprechenden Projekten durchaus im technischen Bereich einige Optimierungen vorgenommen, welche sich aber eher just in Time über den April ausgewirkt haben. Ich bin selbst gespannt, ob es im Juli noch zu größerer SERP-Dynamik kommt. Diese war diesmal meines Erachtens auch nicht so deutlich wie beim letzten Update. Wie unter anderem SISTRIX in Person von Johannes Beus geäußert hat, lief dieses Update entscheidend länger als die vorherigen. Man brauchte also mehr Zeit, um alles auszurollen.

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

Definitiv weiterhin das Thema EAT (Expertise, Authority, Trustworthiness) und das ist vollkommen nachvollziehbar. Ich sehe bei den Projekten, die z. B. deutlich im Finanzbereich verloren haben, inhaltlich auch keine Expertise zu dem Thema. Autorenboxen oder Autorenseiten bilden eher allgemeine, journalistische Kompetenzen ab. Da sind keine speziellen Reputationen im Finanzbereich zu sehen. Hier sollte man definitiv weiter ansetzen und dabei jedes Potential ausschöpfen, was möglich ist.

Wenn man sicher ist, dass der fachliche Content zu YMYL (Your Money Your Live) gut und valide ist, man aber keine eigene Reputation zu dem Thema hat, sollte man sich "Paten" suchen – also Experten aus dem Bereich, welche diese Inhalte validieren und als fundiert bestätigen. Von diesen Personen sollten Autorenboxen angelegt und auf eine Autorenseite mit Vita verlinkt werden. Dort Verlinkungen zu den Veröffentlichungen, Fachbeiträgen, Büchern, etc. zu dieser Person platzieren. Diese Links sollten eher zum Verlag oder zur referierenden Institution oder Fakultät führen – statt eines Affiliate Links zu Amazon.

Wenn man selbst über eine entsprechende Reputation verfügt, sollte man diese Dinge erst recht machen. Zudem sollte man das Wettbewerbs-Umfeld betrachten und ehrlich einschätzen, ob man zu diesen sensiblen Themen (Medizin, Recht, Finanzen, E-Commerce, etc.) wirklich in den TOP 10 ranken kann. Hier kann es unter anderem zu Grundsatzentscheidungen kommen, sich ggf. von Themen und Resorts langfristig zu verabschieden. Das Thema ist unter anderem ein Steckenpferd von Olaf Kopp, der dazu sehr informative Seiten im Netz hat, auch für Optimierungsansätze.

Ansonsten sehe ich auch weiterhin eine Bereinigung einiger Rankings durch Google. Es gibt einfach immer noch zu viele Keywords mit extrem hohem Suchvolumen, die zu sehr starken Schwankungen in der Sichtbarkeit führen, da man "irgendwie" dafür rankt aber jeden Tag anders, mit großen Unterschieden im Ranking. Meiner Meinung nach ist Google immer mehr bemüht, diese "falsche" Relevanz immer besser in den Griff zu bekommen.

Manchmal erscheint der Verlust an Sichtbarkeit zunächst negativ, aber am Ende wurden ggf. nur Rankings von Keywords verloren, zu denen man ohnehin keine wirkliche Relevanz hatte. Wie immer muss man diese Dinge immer im Detail herleiten und sich die Rankingveränderungen genau anschauen. Hier ist zudem immer eine Segmentierung der Webseite wichtig, um zu sehen, in welchen Bereichen die Veränderungen stattgefunden haben.

Weiter im Blick haben sollte man einfach die Nutzerzentrierung: Dem User das bestmögliche Nutzererlebnis wie möglich schaffen - und das in erster Linie Mobile. Die Suchintention der gewünschten Themen und Keywords bestmöglich ausloten. Es hilft, auch einfach mal selbst nach diesen Themen zu googeln und zu schauen, welchen Content Google dazu liefert, wie das SERP-Layout aussieht, mit welchen Treffertypen von Google man konkurriert. Also Nutzerfreundlichkeit, Suchintention und vor allem auch immer die interne Verlinkung.

Ich empfehle immer wieder, die Basics nicht aus dem Auge zu verlieren. Gute HTML Strukturen, Google bestmöglich zeigen, was alles zu einem Thema oder Cluster gehört. Interne Verlinkung innerhalb des Themensilos und Content Seeding oder Social Media. Wenn man Content produziert, sollte dieser bestmöglich verbreitet werden. Das erhöht zudem immer die Chance, dass dieser Content auch verlinkt wird. Wertvolle Backlinks sind weiterhin wichtig, da Sie Prozesse und Entwicklungen beschleunigen und dabei helfen, schneller Trust und Autorität aufzubauen, was der gesamten Webseite gut tut.

3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Vieles habe ich unter Punkt 2 bereits genannt. Ich denke man muss immer mehr den Nutzer in den Vordergrund stellen. Ich sehe immer noch zu viele Seiten, die zu sehr von sich selbst sprechen. Viele Content-Formate werden eher so bestückt, als hätte man schon jeden Nutzer für die Seite gewonnen, anstatt Content zu produzieren, welcher Dir erst mal die Nutzer auf die Seite holt.

Oft kennt man den Impact der eigenen Seiten in den Unternehmenskennzahlen überhaupt nicht und gibt dem Projekt nicht die richtige Priorität. Man ist über andere Kanäle bereits erfolgreich und nutzt die Webseite, um allen zu erzählen, was im Unternehmen passiert und wie toll man ist. Dabei weiß man gar nicht, wie viele Nutzer das eigentlich interessiert bzw. wie viele Nutzer die Seite überhaupt über den organischen Kanal erreichen. Auch hier sind wieder die Basics wichtig: Zielgruppenanalyse, Content-Formate für die Customer Journey, Ziele definieren, messbar machen, Tracken, analysieren, optimieren. Das wäre das ideale Vorgehen. Hier gibt es noch sehr viel Arbeit in den nächsten Jahren.

Die Core Web Vitals sind für mich ein weiterer Schritt von Google, die Inhalte nutzerfreundlicher zu gestalten und sich einfach mehr Mühe zu geben. Sich vielleicht endlich mal um Dinge zu kümmern, die bisher einfach nur funktioniert haben und keine laufende Betreuung oder Optimierung erhalten haben. Ich mag es auch nicht, dies immer in einem Atemzug mit "Pagespeed" zu nennen. Das Thema "Pagespeed" wurde in der Vergangenheit noch nie als rankingrelevant nachweislich ergründet oder bewiesen. Natürlich ist es für die Performance der Seite ein total wichtiger Faktor und man hat ggf. weniger Umsatz, wenn die Seite eine Sekunde langsamer lädt. Als Rankingfaktor hat es sich meines Erachtens aber nie wirklich bewiesen.

Es geht halt schon sehr lange um Suchintention (eigentlich seit Hummingbird und Rankbrain). Natürlich gibt es Extreme und die nehmen ggf. auch Einfluss als "Zünglein an der Waage". Bei den Core Web Vitals geht es einfach darum, dass der Content schnell genug für den Nutzer bereitstellt, dass er diesen sofort nutzen oder damit interagieren kann.

Das Wichtigste in meinen Augen ist der dritte Faktor, der Cumulatived Layout Shift (CLS). Hier geht es darum, dass der Content sich nach dem Laden nicht mehr verschiebt oder springt, da an Positionen innerhalb des Contents noch eine Werbung, ein Bild oder ein Video nachgeladen wird. Das ist für mich als Nutzer das schlimmste Erlebnis. Da würde ich die Seite am liebsten direkt wieder verlassen.

Es ist doch schlimm, wie schlecht wir die Produkte in Form von mobilen Webseiten für den Nutzer gestalten, nur für den Profit. Als Nutzer muss man sich zum Teil richtig durch Seiten durcharbeiten und bereits wissen, wie man alles sauber wegklicken kann, um an den schlussendlichen Inhalt zu kommen. Das in Kombination mit Fake News, Click Baiting und irreführender Werbung kann ja nicht der Anspruch an Lebensqualität sein.

Somit finde es absolut klasse, dass Google hier genau richtig ansetzt. Es gibt mittlerweile so guten Content und Wissen zu dem Thema. Kai Spriestersbach hat sich das Thema sehr auf die Fahne geschrieben und bietet neben vielen, kostenlosen Videos auch ein eigenes Seminar dazu an. Aber auch weitere Quellen beschreiben sehr gut, wie man an die Problematik ran gehen kann. Mit den Analysetools über web.dev und Google Lighthouse, inklusive der Developer Tools im Browser, kann jeder die wichtigsten Optimierungen durchführen bzw. weiß man genau, wo was zu tun ist.

Ich erlebe es zudem immer wieder, dass oft immer noch zu große Bilder das Hauptproblem darstellen, was nach wie vor durch die fehlende Vorstufe der Bildbearbeitung kommt, die es in Unternehmen oft nicht gibt. Da werden die Bilder in extrem großen Formaten hochgeladen und nicht jedes CMS oder jeder Server komprimiert diese Bilder gut, wenn überhaupt. Insbesondere mobile Inhalte könnten nochmal wesentlich kompakter sein, aber hier ist wieder Einsatz und Liebe gefordert, welche man in die Umsetzung seiner Seite investiert.

Die Core Web Vitals reihen sich als ein Rankingfaktor von sehr vielen ein. Ich denke, solange die Inhalte einer Seite wirklich toll zur Suchintention passen, werden das einem die CWV nicht versauen, aber man sollte sie so gut wie möglich optimieren und vor allem wissen, dass die Werte für jede einzelne Seite relevant sind. Somit ist es wichtig, sich die Werte für die verschiedenen Seitentypen (Startseite, Kategorie, Produkt, Blog, etc.) anzuschauen. Ich bin selbst gespannt, ob man merkliche Einflüsse spüren wird, aber Google hat dies ja schon selbst relativiert und geäußert, dass man mit dem Thema schön langsam vorgeht. Zumal glaube ich, dass aktuell nicht wirklich viele Seiten im Web die erforderlichen Werte erfüllen.



Vita

Stefan Godulla ist selbständiger SEO und Experte für Online-Marketing. Seine mehr als zwanzigjährige Erfahrung macht ihn für Unternehmen verschiedener Branchen zum gefragten Spezialisten. Neben seiner Tätigkeit als Freelancer und Seminarleiter für SISTRIX, tritt er regelmäßig als Speaker auf verschiedenen SEO-Konferenzen auf. Sein Ziel ist, Unternehmen zu beraten und die ganzheitliche Kompetenz für digitale Entscheidungen zu vermitteln sowie Agenturen dabei zu unterstützen, sich in Form von optimaler Abgrenzung gezielt auf die Kernsegmente zu spezialisieren.

 

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SASCHA OTTO – E.ON

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Dass zwei Core-Updates innerhalb von zwei aufeinander folgenden Monaten ausgerollt werden, stellt eine gewisse Besonderheit dar. Auch die Kommunikation durch Google hat sich gegenüber früheren Updates deutlich verändert. Erst mit dem Juli Update sollen alle Anpassungen komplett ausgerollt sein. Das ist für sich genommen zwar eine interessante Aussage aber leider wenig transparent im Hinblick auf die Art der Änderungen. Ich kann mir die angepasste Kommunikation nur mit einer Abgrenzung zum Page Experience Update erklären, welches ebenfalls im Juni ausgerollt wird.

Für Webmaster bedeutet diese Ankündigung einen genauen Blick auf die eigenen Zahlen zu werfen und mögliche Auswirkungen der unterschiedlichen Updates zueinander abzugrenzen.

Laut Googles eigener Aussage werden beide Updates für viele Websites nicht mehr spürbar sein, als es bei bisherigen Core Updates der Fall war. Das kann ich für das Juni Update für unsere eigenen Websites bestätigen. Unsere Auswertungen der Google Search Console zeigen keine signifikanten Veränderungen im Traffic, die mit dem Update in Korrelation stehen. Unsere Sichtbarkeit zeigt vereinfacht gesagt nur eine Abweichung von ca. fünf Prozent gegenüber der Vorwoche – über alle unsere Märkte hinweg. Das liegt innerhalb der üblichen, wöchentlichen Fluktuationen und stellt keine nennenswerte Abweichung dar.

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

Es ist wichtig, das eigene Marktumfeld zu kennen. Rankingsignale können je nach Branche eine andere Gewichtung besitzen. Dies gilt umso mehr bei der Bewertung von Google Updates.
Es gibt diverse Studien zu potenziellen Rankingsignalen. Auch anhand von Patenten und Googles eigenen Aussagen lassen sich Ableitungen treffen. Man sollte jedoch bedenken, dass nicht jedes dieser Signale auch die gleiche Gewichtung für die eigene Branche hat.
Bei einem Verlust von Rankings gilt es daher, die Signale zu identifizieren, die durch das Update eine Veränderung erfahren haben. Natürlich kann der Blick auf andere Branchen nicht schaden.

Als Energieunternehmen bewegen wir uns innerhalb der Suchergebnisse in einem recht stabilen Umfeld. Das betrifft sowohl die Marktteilnehmer als auch die Suchanfragen an sich. Bei der Bewertung von Google Updates verlassen wir uns daher auf unsere eigenen Auswertungen und Market Insights.

Es gilt die richtigen Optimierungspotenziale zu identifizieren, statt in Aktionismus zu verfallen. Prioritäten lassen sich anhand der Suchanfragen und wichtigsten Seiten ableiten. Meistens konzentriert sich der Großteil des Traffics auf eine kleine Menge an URLs. Über die API der GSC lassen sich diese Daten bequem auswerten. Ist man von einem Core-Update betroffen, würde ich überprüfen, worin sich meine Top-Performing-URLs zu besser rankenden Inhalten unterscheiden.

3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Wir werden uns noch einige Zeit mit den Web Vitals beschäftigen müssen. Das ist eine gute Entwicklung und zeigt deutlich, dass SEO ein integrativer Bestandteil von UX sein sollte. Insbesondere beim Largest Contentful Paint (LCP) und Cumulative Layout Shift (CLS) sehe ich noch deutliche Optimierungspotenziale.

In unserer Branche müssen wir uns beispielsweise beim CLS weniger mit den Problemen durch Advertisement beschäftigen. Unsere Aufgabe liegt aber darin, unser CSS noch besser in den Griff zu bekommen. Oft handelt es sich dabei um Kernelemente der Website, wie die Top-Navigation. Zusammen mit dem eigenen CMS Entwickler-Team können die wichtigsten Baustellen identifiziert und behoben werden. Es gilt auch hier für die wichtigsten Seiten Muster zu erkennen, Aufgaben zu priorisieren und einzelne Komponenten zu verbessern. Natürlich sollte am Ende die Dokumentation nicht fehlen. Nur so lassen sich später entsprechende Rückschlüsse ziehen.

Google stellt einigen Support in Form von Tools wie Lighthouse oder dem entsprechenden GSC Report zur Verfügung. Detaillierte Ableitungen lassen sich darüber hinaus mit der Entwickler-Konsole treffen. Trotzdem denke ich, wird es noch einige Zeit dauern, bis ein Großteil der Domains entsprechende Anpassungen umgesetzt haben. Von einem allzu großen Umbruch der Suchergebnisse durch das Page Experience Update gehe ich nicht aus. Über kurz oder lang wird dies aber einen Unterschied zwischen einzelnen Wettbewerbern machen. Die Nutzererfahrungen noch einmal deutlich als Rankingsignale zu bewerten, halte ich für einen wichtigen Schritt.



Vita

Seit mehr als zehn Jahren kann Sascha Otto SEO nun schon zu seiner Leidenschaft zählen. In dieser Zeit hatte er die Möglichkeit, seinen Beruf sowohl für Startups als auch im Corporate Bereich ausüben zu dürfen. Seit April 2017 ist er als Inhouse SEO-Experte für die E.ON Digital Technology GmbH tätig. In seiner Position als zentraler SEO-Ansprechpartner unterstützt er dort die regionalen Abteilungen in ganz Europa. Zu seinen Aufgaben gehören neben der Beratung auch der Austausch von Best Practices, die Leitung der SEO-Gilde und die Funktion als Product Owner der SEO-Tools bei E.ON.

 

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DEMIR JASAREVIC – OTTONOVA

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Bei uns sehe ich noch keine Auswirkungen. Unsere SEO-Sichtbarkeit geht zwar aktuell nach unten, was jedoch an der Änderung der Website- und URL-Struktur liegt, die wir eine Woche vor dem Ausrollen des Juni-Updates und dessen Verkündigung, live genommen haben. Bis die Struktur-Änderungen verarbeitet worden sind, wird es noch dauern und wir werden einen Gap in der SEO-Sichtbarkeit hinnehmen müssen. Generell kann ich aber beobachten, dass bisher gesundheitsrelevante Themen und Domains sowie allgemein YMYL-Seiten weniger stark vom Juni-Update betroffen sind als bei den letzten Updates. Auf der anderen Seite sehe ich aber viel Bewegung bei Branchenbüchern.

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

Ich glaube, dass Google auf Basis von Nutzersignalen verstärkt versucht, Nutzerintention mit den passenden Inhalten/Websites zusammenzulegen. Daher ist es besonders wichtig Nutzersignale (CTR, Bounce Rate, etc.) im Auge zu behalten und dahingehend zu versuchen, die Inhalte zu optimieren. Man sollte sich also immer fragen: Welche Intention soll mein Inhalt erfüllen und wie soll der Inhalt gestaltet werden, um dieses Ziel zu erreichen?

3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Das ist schwer zu sagen. Ich gehe aber stark davon aus, dass dieses Jahr sicherlich noch weitere von Google angekündigte Updates folgen werden. Für mich am spannendsten sind aktuell das Juni- und Juli-Update und dessen Auswirkungen. Zudem bin ich gespannt, wenn die Core Web Vitals als Ranking-Faktor fertig ausgerollt sind.

Ob die Core Web Vitals massive Auswirkungen auf die SEO-Sichtbarkeit haben werden, da bin ich noch zurückhaltend. Man muss berücksichtigen, dass andere Rankingfaktoren wie Nutzersignale, Mobile-Friendlyness, etc. weiterhin eine große Rolle spielen und es dann auch auf den Gesamtmix ankommt. Interessant wird für mich, ob Google solche Websites, die gute Core Web Vitals-Werte aufweisen, in den SERPs entsprechen kennzeichnet. Falls ja, kann sich das auf die CTR auswirken, wo wir wieder beim Thema „Nutzersignale“ sind.



Vita

Demir Jasarevic ist SEO und Webanalyst bei ottonova.de. Er studierte “Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung” in Wien und absolvierte ein Semester in St. Petersburg, Russland. Mit jahrelanger Erfahrung im Online-Bereich verantwortet er die Umsetzung von SEO-Strategien und Webanalytics-Konzepten. Zu seinen Spezialgebieten gehören technisches und internationales SEO. Er entwickelt Tracking-Konzepte und setzt individuelle Tracking-Wünsche auch direkt mit JavaScript um.

 

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PHILIPP CHRISTIANSEN – ASKPHILIPP.DE

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Ehrlicherweise schaut es, einige Tage nach dem Rollout, zumindest in Deutschland verhältnismäßig nüchtern aus. Ein Blick auf die diversen Google Update-Alerts zeigt – ob USA, UK, Spanien oder Frankreich – dort ist wesentlich mehr in den SERPs los, als bei uns. Der Deep Dive musste also her. Klassischerweise schaue ich mir dann zunächst meine eigenen aktuellen oder vergangene Projekte an. Was soll ich sagen, auch hier verlaufen die Metriken wie ein Brett, kaum Volatilität ersichtlich. Somit bleibt nur noch eine Betrachtung des Gesamtmarktes. Hier hilft Sistrix mit seinen Mover and Shaker Daten gut aus.

About You, ein Paradebeispiel für stetiges Wachstum im SEO, hat ordentlich auf die Finger bekommen. Gleich ganze 30 Visibility-Punkte (Sistrix-Rating) gingen verloren. Satte 23.000 Keywords haben sich verschlechtert oder sind komplett aus den SERPs verschwunden. Mit dabei sind Keywords wie „Handtasche“, „Schmuck“ oder „Damen Schuhe“. Wie wir aber wissen, sollten wir Tool-Daten immer noch einmal in Real-Time gegenchecken. Hier ist About You nicht gänzlich verschwunden. Eine Verschlechterung ist dennoch zu sehen. Anders als sonst, sieht man aber keinen starken einzelnen Gewinner. Scheinbar verteilt Google die Rankings hier auf mehrere Brands.

Zwei weitere auffällige Brands sind Urlaubsguru mit Minus 20 Punkten und Trustpilot mit Minus 15 Punkten. Auch hier sieht man eine breitere Verteilung von „frei gewordenen Rankings“ auf mehrere Schultern. Beispielsweise Trustami.com oder ekomi.de. Und wie sieht es in anderen Ländern aus? Dort lassen sich ähnliche Tendenzen ausmachen, das Feld scheint aber wesentlich breiter zu sein als bei uns in Deutschland.

Klar, dass sind zunächst alles nur Annahmen, das Juli Update 2021 kann hier direkt wieder ein Justieren der jetzt aufkommenden Übertreibungen in den SERPs inkludieren oder den ersichtlichen Trend weiter stützen. Die kommenden Wochen werden dies zeigen. Für mich heißt das in der Folge aber wenig Neues – arbeite an dir, erarbeite eine Brand, hör auf dich zu verstecken. Google fügt ein weitere Puzzleteil zur Diversität in die SERPs ein. Gerade im Short‑Tail kann das dem User neue Möglichkeiten beim Explorieren geben. Gleichzeitig wird es für „Offline-Brands“, die auch mal online machen, zunehmend schwerer sich zu behaupten. Bleibt vielleicht noch die Nische, der Long‑Tail – aber auch hier gibt es längst dutzende kleine Brands, die sich auf dem Markt gegen die Großen behaupten.

Was bleibt also? Aufhören mit dem Versteckspiel, Marke ganzheitlich denken und das SEO als integralen Bestandteil betrachten. Vor allem aber verstehen – eine Marke (im SEO) baust du nicht durch ein schickes Logo oder tolle Farben auf, sondern durch eine grandiose Experience, mit dir, deiner Website und deinem Produkt.

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

Was mir immer wieder auffällt ist, dass die Basics vergessen werden oder hier vergleichsweise viel Potential auf der Strecke liegt. Ein Beispiel sind Meta-Title und Description. Insbesondere der Title ist vermutlich einer der ältesten und immer noch stärksten Signale bei der Bewertung deiner Page.

Beim Googeln nach den unterschiedlichsten Themen fällt mir immer wieder eines direkt auf – Einheitsbrei. Hier probiert niemand, es wird lediglich voneinander abgeschaut. Der Punkt ist nur, wie soll der User das bestmögliche Ergebnis in wenigen Sekunden erfassen, wenn alle „Eingangstüren“ gleich aussehen? Man stelle sich vor, in einer Fußgängerzone würde der gleiche Laden zehnmal nebeneinanderstehen. Welchen Store sollte ich nun wählen? Vermutlich den ersten. Dabei liegen die Chancen hier auf der Hand.

Den meisten Traffic macht man häufig ohnehin mit zehn bis 20 Prozent seiner Landing Pages. Fokussiere dich auf diese und teste. Aus den übrigen 80 bis 90 Prozent nutze die Chancen bei knappen Page two Seiten. Rutschen die auf Seite eins, kann dies einen erheblichen Traffic- und somit auch Umsatzzuwachs bedeuten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die User Experience und das Testing hinter Ideen. Sich über steigende Rankings und wachsenden Traffic zu freuen, ist das eine. Was ist aber mit all den Usern, die Bouncen, die es niemals von einem New Visitor zu einem Returning geschafft haben? Da liegt oft so unfassbar viel Potential auf der Straße, dass ich bei vielen meiner Kundenprojekte schon allein mit Low-Hanging-Fruits relevante Erfolge erzielen konnte. Ein Beispiel – die Click-Journey innerhalb von Warenkörben bzw. das simplifizieren von Anmeldemasken. Das klingt so logisch und einfach, ist für viele aber ein WOW-Moment, wenn plötzlich mehr Umsatz generiert wird.

Und die Folge daraus ist logisch: Ein gutes Erlebnis zahlt direkt auf das Topic Experience ein. Im Idealfall erntet man gute Bewertungen, welche wiederum die Kaufabsichten neuer User beeinflussen können. Denn auch diese Ratings, ob nun direkt bei Google oder über einen Drittanbieter sind für viele enorm wichtig. Leider gibt es selten eine ernsthafte Strategie zum Thema Customer Relationship.

Was mich zu meinem letzten Punkt bringt – Backlinks. Mir ist wichtig klarzustellen, Backlinks sind kein Allheilmittel. Sie sind aber auch nicht tot, wie gefühlt in Deutschland von jedem zweiten in die Welt gerufen wird. Allein der Fakt des noch immer promoteten und wichtigen Disavow-Tools zeigt, dass Googles Algorithmen nicht in der Lage sind, treffsichere Entscheidung über Qualität und Spam zu fällen. Hinzu kommen menschliche Ratings. Was tot ist, ist das quantitativ planlose Aufbauen von Links. Meist reichen schon zwei bis drei Links für eine Landing Page, um einen Effekt zu sehen. Themen- und Marktanalyse sind hier das Stichwort und vor allem Relevanz. Es muss nicht immer der thematische Exact Match sein, es kommen auch durchaus Seiten in Frage, die einen Exact Match mit deiner Zielgruppe abliefern. Und hier sind wir dann wieder beim Punkt User Experience und einer ganzheitlichen Betrachtung.

Abschließend gilt: es handelt sich um Google Updates. Man kann sich ohnehin nicht dagegen wehren, möchte man an dem Spiel teilnehmen. Also ruhig bleiben, Fakten analysieren, Rückschlüsse ziehen, den Markt im Blick behalten und stets das Beste für den User im Blick behalten.

3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Beim Thema Core Web Vitals bin ich ehrlichgesagt mehr als entspannt. Nicht weil bei mir alles maximal optimiert ist, sondern weil es schon wichtig ist, zu verstehen was genau optimierungswürdig ist und was am Ende zeitfressendes Micromanagement. Ich erinnere mich noch an Ende 2018. Damals hat Google die PageSpeed Insights aktualisiert und durch die Daten mit Lighthouse angereichert. Vorher war PageSpeed gefühlt bei vielen allenfalls eine Randnotiz. Aber seit diesem Zeitpunkt gehörte es zum guten Ton, mindestens PageSpeed-Werte um 90 oder mehr zu erzielen.

Ich bin ehrlich und mache mich nicht frei von der Schuld, ich bin diesem Trend auch aufgesessen. Wochen habe ich in Analysen, Tests und Tickets schreiben geschmissen. Und was war der Effekt? Minimale Ranking-Verbesserungen an einer Handvoll Landing Pages und eine breite Masse an Seiten ohne jegliche Veränderung. Nun kommen also die CWV und das Spiel geht gerade von vorne los. Ich habe aber von damals meine Learnings.

Was ich spannend finde, sind die Insights seitens Google, wie sie technisch messen, ab wann ein User wohl eine gute Experience zu erwarten hat. Das ist eine Leitplanke, daran kann man sich orientieren. Nun analysiere und teste ich aber nicht wie ein Verrückter auf meiner Page, sondern betrachte mein Konkurrenzumfeld. Über automatisierte Crawls und die API von Google kann ich bequem regelmäßige Daten meiner wichtigen 20 bis 30 Konkurrenten ziehen. So habe ich mir über die letzte Zeit einen Querschnitt derer Leistungsdaten erstellt. Diese überprüfe ich regelmäßig mit meinen Felddaten und optimiere nur, wenn es in meinem Markt notwendig erscheint.

Hier gilt also im Grunde die gleiche Prämisse, wie auch schon oben erwähnt, das Bestmögliche für den User zu erreichen. Ist mein Projekt in Sachen Core Web Vitals im oberen Feld meiner Konkurrenz angesiedelt, kann ich meine Kapazität in wichtigere Projekte stecken. Für alle anderen, welche in ihrem Konkurrenzfeld schlechter dastehen, empfiehlt sich allerdings eine Optimierung – und zwar unabhängig vom anstehenden Rollout-Termin.



Vita

Philipp Christiansen ist seit 2011 passionierter SEO. Neben zahlreichen Projekten im Agenturumfeld, hat er für namhafte Unternehmen in der Life Guidance, im E-Commerce und im Website-Consulting für KMUs gearbeitet. Seit 2021 arbeitet er im Insure-Tech Bereich und ist als Freelancer unter dem Namen AskPhilipp für Projekte im DACH-Raum tätig. Sein absolutes Spezialgebiet sind Onpage-Analysen inklusive Strategieentwicklung.

 

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MARIO GLASHAUSER – LV 1871

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Auf unserer Website hat sich durch das Core Update im Juni bisher vergleichsweise wenig getan. Die Rankings waren relativ stabil und wir fahren mit unserer Optimierung wie geplant fort. Generell scheint Google einfach bereits bekannte Faktoren zu verfeinern und dies in den Updates umzusetzen. Für das Core Update im Juli erwarte ich daher auch keine massiven Überraschungen oder so extreme Verwerfungen, wie sie beispielsweise das Mai 2020 Core Update gebracht hat.

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

In der Versicherungsbranche – aber auch generell – zeichnen sich meiner Meinung nach drei Tendenzen ab, auf die man fortlaufend achten sollte:

  • Das Thema EAT ist und bleibt besonders wichtig. Websitebetreiber, insbesondere im Finanzsektor, sollten also weiterhin auf qualitativ hochwertige Texte von Fachautoren setzen und somit Ihre Expertise, Autorität und den Trust auch nach außen darstellen. Dazu beitragen können beispielsweise Autorenprofile und Autorenboxen. Bei Fachtexten ist zudem eine genaue Nennung von zuverlässigen Quellen von Vorteil. Eine gute externe Verlinkung von vertrauenswürdigen Partnerseiten hilft zusätzlich.
  • Mir fällt auf den Suchergebnisseiten immer häufiger eine starke Konkurrenz durch das Element „Ähnliche Fragen“ auf, in dem Google häufig gestellte Userfragen aufgreift und Seiteninhalte kurz anteasert. Auch die Qualität dieses Elements wird zunehmend besser und oftmals wird es z. B. bereits an Position zwei oder drei der Suche eingeblendet, wo es oft schon nahezu alle relevanten Fragen beantwortet. Ich gehe daher davon aus, dass die organischen Suchergebnisse unterhalb dieses Elements künftig mit geringeren Klickraten und Userzahlen aus der organischen Suche zu rechnen haben. Die „Winner takes it all“-Tendenz in der Google Suche für die obersten Suchergebnisse verstärkt sich dadurch voraussichtlich noch weiter.
  • Lange und ausführliche Hub- oder Pillar-Pages, die ein Überthema allumfassend abdecken, sind bei einigen Themen auf dem Vormarsch und werden aus meiner Erfahrung gerade für sehr allgemeine Short-Head Keywords mit hohen Suchvolumina immer stärker. Es kann daher Sinn machen, den eigenen Content entsprechend zu überprüfen. Wenn man bisher sehr feines Keyword-Splitting betrieben und für jedes Unterthema eigene Sub-Seiten geschaffen hat, kann es unter Umständen Sinn machen, diese teils zu bündeln.
  • Die neuen, längeren Texte müssen dann aber in jedem Fall gut und übersichtlich gegliedert werden. Zudem sollte man den Search Intent der User genau im Auge behalten und sich fragen, ob für ein bestimmtes Keyword eher Informationsseiten oder eher kommerzielle Seiten gewollt sind. Ein Abgleich mit den Top-10 Seiten für ein bestimmtes Keyword hilft dabei, die eigene Landingpage optimal auszurichten
3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Im weiteren Jahresverlauf werden die Core Web Vital Werte sicherlich weiter ein heißes Thema bleiben und die SEO-Community beschäftigen. Man sollte sich aber gut überlegen, wie viel Kapazität man in die Optimierung steckt. Je nachdem ob man mit einem neuen „sauberen“ Setup arbeitet oder mit Altlasten zu kämpfen hat, kann die Optimierung der Web Vitals und des Pagespeeds sehr viele Entwicklerstunden binden.

Darüber hinaus sollte man nicht vergessen noch ausreichend Ressourcen für andere Optimierungen übrig zu lassen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Letztendlich sind die Core Web Vitals nur einer von rund 200 Rankingfaktoren. Für viele Seiten mit begrenzten Kapazitäten liegen beispielsweise in der Textoptimierung und internen Verlinkung noch hohe Potenziale.



Vita

Mario Glashauser ist SEO-Manager und seit Oktober 2020 für den Bereich Suchmaschinenoptimierung bei der Lebensversicherung von 1871 a. G. München (LV 1871) verantwortlich. Neben der Umsetzung von On- und Offpage-Maßnahmen hat er einen Fokus auf technisches SEO und komplexe Crawling- und Indexierungsfragen. Zuvor war er in einer Münchner Digitalagentur als SEO-Manager für Kunden verschiedenster Branchen tätig.

 

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NADINE SCHUETTE – WHU - OTTO BEISHEIM SCHOOL OF MANAGEMENT

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Das klassische Core Update im Juni hat sich anders verhalten als die vorherigen Core Updates. Diesmal hat das Update auch eine Woche lang gedauert und nicht nur ein bis drei Tage. Weniger betroffen waren bei diesem Update Webseiten aus der Gesundheits- oder der Finanzbranche. Stärker betroffen waren dagegen Webseiten mit Bezug auf lokale und regionale Informationen (wie Branchenverzeichnisse). Der zweite Teil des Updates wird im Juli ausgerollt und hier können wir weitere Änderungen am Algorithmus und Mechanismus erwarten.  

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

Das Thema User Experience wird immer wichtiger. Daher sollten SEOs und Webseitenbetreiber vor allem die mobile Ladegeschwindigkeit im Blick halten und auch die Core Web Vitals wie LCP (misst die Ladezeit), CLS (misst die visuelle Stabilität) und FID (misst die Interaktivität) die zunehmend wichtiger werden.

3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Wichtig wird dies deshalb, da Google im Sommer das Page Experience Update ausrollt und die CWVs zu Rankingfaktoren werden. Entscheidend ist neben den Google Core Web Vitals auch, dass die Webseiten für Mobilgeräte optimiert und sicher sind, also keine schädlichen Codes oder ähnliches beinhalten. SEOs und Webseitenbetreiber sollten die Core Web Vitals mit Tools wie Google Lighthouse, Page Speed Insights oder Google Search Console messen und entsprechende Änderungen vornehmen, um Rankingverluste zu vermeiden.  



Vita

Nach einem BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Marketing arbeitet Nadine Schuette seit knapp fünf Jahren im Online-Marketing mit Fokus auf SEA, SEO und Marketing Analytics. Sie hat sowohl in Agenturen und Unternehmen gearbeitet und für B2B- als auch für B2C-Kunden das Performance Marketing betreut. Aktuell ist sie als SEO-Managerin an der WHU – Otto Beisheim School of Management tätig und dort für das technische und inhaltliche SEO zuständig. Nadine hat sich also vom Generalisten zum Spezialisten entwickelt, da sie auch nach wie vor sehr für das Thema SEO brennt.

 

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EVGENI SEREDA – SEMRUSH

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Wenn es um die Google Updates geht, dann ist Abwarten die richtige Methode. Ihren Höhenpunkt erreichte das Beben erst am 06.06, wie man es aus dem Semrush Sensor erkennt. Dabei betraf es wohl alle Kategorien, und zwar ohne Ausnahme.

 

06.06 - Deutschland - Mobil
Quelle: Semrush

 

Doch ein Beben muss nicht zwangsläufig zu einem Schaden führen. Als Schaden definiere ich eine eindeutige Abnahme an GSC Klicks für die für mich relevanten Keywords. Da das Update erst vor kurzem stattfand ist meine Datenlage noch nicht ausreichend genug. Ich versuche dennoch einige Vermutungen aufzustellen.

  1. Desktop und Mobile sind gleich stark betroffen (Laut Sensor)
  2. Ich habe einige Projekte untersucht, zu denen ich Zugang habe. Bei den informationellen Keywords hat sich dieses Update am stärksten ausgewirkt. (Themen: SEO, Marketing, Finanzen).  Einige der Keywords “seo shopify” sind jetzt von der Brand und dem Content von der Brand dominiert.

Semrush Sensor, Quelle: Semrush

 

Bei den anderen Keywords wurden die SERPs von Google stark angepasst, insbesondere, wenn es sich um ein SERP Feature handelte. Zum Beispiel wird die Suchanfrage nach der aktuellen Konvertierung zwischen der einen und der anderen virtuellen Währung wie ein Featured Snippet ausgegeben. Die dort erscheinende Seite ist von Platz Fünf auf Eins - Null gelandet.

Manche Ergebnisse wie für “local seo keyword tool” zeigen einen englischsprachigen Beitrag anstatt den deutschsprachigen. Anscheinend versucht Google den Content in der richtigen Sprache zu liefern. Ich bin gespannt, denn alle anderen Beiträge sind nicht in Deutsch. Wahrscheinlich ist es nur ein Test.

Bei einer Finanzseite mit einem 00er-Jahre-Design gab es eindeutige Gewinne beim Ranking. Wobei diese durch die Einstürze im Ranking bei den Mitbewerbern herbeigeführt worden sind. Es gab große Bewegungen, doch es betraf nicht unbedingt die wirklich wichtigen Suchanfragen. (Zumindest, was meine Projekte bzw. Die Projekte, in die die Einsicht habe) anbetrifft.

Ich bin sehr auf das Juli Update gespannt. Dieses kann auch zeigen, ob die Live-Tests mit dem ersten Update erfolgreich waren oder nicht.

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

Ich sehe einen Fokus auf die Brand. EAT etc. ist ja schwerer zu messen als eine Brand. Somit sind diese Veränderungen für mich eindeutiger. SERP Features können immer noch der Schlüssel für bessere Rankings werden. Leider habe ich noch keine Daten zu CTR bei den abgestützten Keywords – dies würde mich auch brennend interessieren. Ich rate hier den zweiten Teil des Updates abzuwarten wie auch von Google erwähnt.

3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Ich möchte hier nicht mit typischen Ratschlägen aufkommen. Pagespeed ist wichtig aber in einem Gesamtbild der Nutzererfahrung. Das ist nicht der alleinige Faktor. Ich würde dieses Thema nicht überbewerten. Wir wissen noch nicht mal, wie stark diese Auswirkungen sind. Eine gesunde Balance bei den Aufgaben hilft viel mehr.

Die Priorisierung der Aufgaben aus der To-Do-Liste ist die Lösung. Ich nutze dabei den Vergleich zur Konkurrenz und eine subjektive Einschätzung. Wenn dein Markt nicht schneller als 2ms lädt, musst du nicht 1.8ms laden und danach hoffen, dass die Rankings dadurch in die Höhe schießen. Lieber die Konkurrenten und den Markt beobachten und sich mit diesen vergleichen. Wir sind ja meistens nicht allein.



Vita

Evgeni Sereda ist seit 2010 ein leidenschaftlicher SEO. Er ist als Online Marketing Experte und Senior Marketing Manager Deutschland bei Semrush tätig und verantwortet dort seit fünf Jahren das Marketing in den deutschsprachigen Ländern. Die Kombination aus SEO und Marketing setzt er bei großen Projekten wie der Implementierung der SEO-Maßnahmen und Marketing-Prozesse bei einem großen Retailer ein. Dabei betreut er auch kleine Projekte, denn auch mal Hand anzulegen, macht ihm viel Spaß.

 

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JÖRG NIETHAMMER – HANSGROHE SE

1. Welche Auswirkungen durch das Google-Core-Update im Juni konntest du beobachten und wie ist deine Einschätzung für das Core-Update im Juli?

Bisher kann ich noch keine großen Ranking-Veränderungen feststellen, die sich mit dem Update begründen lassen. Allerdings sieht es in anderen Branchen natürlich auch anders aus. Was jedoch mit jedem Update sichtbar ist, ist die Bedeutung der Suchintention. Viele in unserer Branche haben in der jüngeren Vergangenheit stark im transaktionalen Bereich verloren, wenn sie keinen Online-Shop betreiben. Diese Entwicklung wird sicher fortgesetzt und das ist auch zu begrüßen.

2. Welche Treiber konntest du beobachten? Was sollten SEOs und Webseitenbetreiber besonders im Blick haben?

Suchintention, User Experience, Qualität. Ich konnte mit diesen oberflächlichen Tipps von Google nie was anfangen, aber am Ende sind sie zutreffend. Google möchte dem Nutzer das bieten, was er erwartet. Genau so einfach ist es. Daher sollte man immer im Blick haben, was der User mit seiner Suchanfragen bezwecken will und dabei von den Suchergebnissen erwartet. Das kann sich natürlich auch mal ändern. Nur wer hier sehr detailliert und tagesaktuell vorgeht, wird diese Updates ohne größere Probleme überstehen.

3. Wie sieht dein Ausblick auf das weitere Jahr aus – auch in Hinblick auf Core Web Vital-Werte?

Auf die Core Web Vitals bin ich sehr gespannt, zumal es so scheint, dass viele Websites diesbezüglich nichts unternehmen. Aktionismus halte ich allerdings auch nicht für die effektive Strategie, da der Anspruch immer lauten muss, eine gute Website zu Verfügung zu stellen. Das fängt bei den richtigen "Versprechen" in den Snippets an, geht über die Ladezeit weiter und endet in der Bereitstellung des richtigen, zielgruppengerechten, hochwertigen Contents und der Benutzerfreundlichkeit der Website. Am Ende hängt es aber vom individuellen Wettbewerb ab. Die Websites, die als Gesamtpaket besser sind, als die anderen, werden profitieren.



Vita

Jörg Niethammer ist der globale SEO-Verantwortliche bei der Hansgrohe SE. Nach seinem Studium arbeitete er mehrere Jahre in einer Full-Service-Online-Marketing-Agentur in München und entdeckte dort seine Leidenschaft für SEO. Dort war er – zuletzt als Teamleader der SEO-Abteilung – insbesondere auch im SEA sowie im Social-Media- und Affiliate-Marketing aktiv. Dadurch ist ihm besonders der ganzheitliche Blick auf die Online-Marketing-Kanäle wichtig. 2018 hat er die Seiten gewechselt und in seine Heimat Baden-Württemberg zurückgekehrt. Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist er vor allem bei LinkedIn und in seinem Blog jnON.de aktiv und teilt dort seine zahlreichen Erfahrungen rund um das Thema SEO.

 

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Autoren
Timo Abid, Florian Ries und Werner Schankweiler
 
 
Titelbild: stock.adobe.com, © Teerasan

 

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