Gute Links, schlechte Links?

von Timo Abid

Wer die eigene Seite auf den vorderen Plätzen des Suchmaschinenprimus Google finden möchte, muss im Regelfall aktives Linkbuilding betreiben oder zumindest die existente Linkstruktur stetig analysieren und ggf. eingreifen. Was sind „gute“ und was sind „schlechte“ Seiten bzw. Links? Worauf sollte geachtet werden?

Spätestens nach dem Penguin-Update (22.04.2012, Beispiel Abbildung 1) und all seinen Nachzüglern wurde der „Linkbuilding-Markt“ auf nicht besonders zärtliche Art und Weise gesäubert. Zahlreiche überoptimierte Linkprofile der betroffenen Seiten wurden quasi über Nacht mit einem drastischen Verlust der Gesamtsichtbarkeit bestraft. In den letzten Monaten ist auch häufig der schleichende Verlust guter Rankings zu beobachten. Penguin auf Raten? Auch hier finden sich in der Linkstruktur die üblichen Auslöser (z.B. zu hoher Anteil an Keyword-Anchor-Texten). Die rein auf Quantität ausgelegte Strategie ist demnach nicht mehr alltagstauglich, geschweige denn nachhaltig. Klasse statt Masse lautet also die allgemeine Devise. Wirklich?

Beispiel eines Penguin-Update-Opfers

Grundsätzliche Überlegungen zu den guten und bösen Links

Wie sollte die Linkstruktur der eigenen Seiten im Optimalfall aussehen? Nehmen wir einmal an, wir hätten eine Seite bei welcher nie SEO, insbesondere Linkaufbau, betrieben wurde (ja, die gibt’s wirklichJ). Folgerichtig wurden alle Links irgendwie, irgendwann und ohne Beeinflussung des Seitenbetreibers oder des SEOs gesetzt. Alleine diese ganz grundsätzliche Überlegung liefert viele Antworten. So sind ganz sicher keine Links aus irgendwelchen Microsites, Satellitenseiten, Netzwerken zum Linktausch oder -kauf oder was auch immer zu finden. Ebenso liegen nicht nur besonders vertrauensvoll wirkende Links aus Tageszeitungen, wie als aktueller Trend zu beobachten, im Linkprofil vor. Schlichtweg besteht bei „unbehandelten“ Webseiten eine Ausgewogenheit zwischen kleinen, eher privat wirkenden Seiten und größeren Seiten.

An dieser Stelle könnten zahlreiche Beispiele folgen, welche die grundsätzliche Herangehensweise bei der Planung des Linkaufbaus erläutern. Aber rollen wir das Feld von hinten auf: Rankingfaktoren variieren und Algorithmen zur Erkennung etwaiger Überoptimierungen werden immer ausgefeilter. Daher lässt sich die Herausforderung klar formulieren: Natürlichkeit wird sich künftig durchsetzen und hier liegt auch gleichzeitig die Aufgabenstellung. Gezielte und einseitige Optimierung über einen längeren Zeitraum hinweg hinterlässt häufig ersichtliche, vor allem algorithmisch leicht zu erkennende Muster. Daher ist die hier in der Überschrift bewusste Einordnung eines Links in „gut“ und „böse“ auch nicht wirklich sachlich korrekt. Ein Link kann natürlich oder eben unnatürlich sein bzw. wirken.

Vor dem Linkaufbau ist nach dem Linkaufbau

Warum ist die Bewertung eines Links so wichtig und warum sollte hier eine gewisse Energie einfließen? Eingehende Links sind rankingrelevant. Dies ist allseits bekannt. Neben der möglichen „Linkstärke“, die ein einzelner Link abzugeben vermag, ist ein weiterer, oft nicht berücksichtigter Aspekt vor allem perspektivisch wichtig: Linkbewertung bedeutet zugleich auch Vorsorge treffen. Stellen wir uns vor, bei einer Domain werden 30 Links im Monat aufgebaut, was aufs Jahr bezogen 360 Links ergibt. Wird dies über mehrere Jahre fortgeführt, wächst das Linkprofil auf über 1000 Links an. Jetzt ist es jedoch leider (oder ab und an auch glücklicherweise) so, dass sich Domains und somit auch die dortigen Links entwickeln.

Nun sollen diese Links also in regelmäßigen Abständen erneut bewertet werden. Aber wie? Manuell, also quasi per Hand und zu Fuß?  Sicherlich können diverse Tools zahlreiche Metriken automatisiert und dies für viele Domains auf einmal liefern, jedoch existieren einige wichtige Aspekte zur Bewertung eines Links, welche  durch Tools nicht ermittelt werden können. So gilt es u.a. darauf zu achten, wie das Gesamtbild der Seite erscheint, ob die Seite benutzerfreundlich ist oder ob sich Nutzer an der eingebundenen Werbung stören könnten. Durch fundierte Prüfungen im Vorfeld kann somit viel Blut, Schweiß und Ärger vermieden werden.

Einen einzelnen Link allgemeingültig zu sehen und zu bewerten, ist schwierig. Denn was bei Seite A „passt“, muss nicht bei Seite „B“ der Fall sein. Bevor also Links bewertet und aufgebaut werden, sollte eine Analyse der Linkstruktur (Ist-Situation) erfolgen. Darauf aufbauend kann eine mögliche/gewünschte Soll-Situation in 3,6,9 usw. Monaten geplant werden. Eine strukturierte Planung verhindert (Abbildung 2, Auszug aus einem Redaktionsplan), dass das Aufbauen von Links „irgendwie“ stattfindet und bietet des Weiteren die substantiierte Prüfung nach Ablauf des gesetzten Zeitintervalls für den Linkaufbau (beispielsweise die monatliche Betrachtungsweise).

Beispiel Redaktionsplan Linkbuilding seo2b

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Passt die Seite zu meiner Linkstruktur und dies auch zum jetzigen Zeitpunkt? Um diese Fragestellung besser beantworten und auch einordnen zu können, ist eine Betrachtung weiterer Faktoren essentiell: Die thematische Übereinstimmung oder Ähnlichkeit zwischen der verweisenden Seite und der Zielseite sowie den dort publizierten Produkten und / oder Dienstleistungen ist grundlegend sehr wichtig. Aber auch hier gilt, dass ausschließlich thematisch passende Links unnatürlich wirken, da ein Webseitenbetreiber normalerweise keinen Einfluss auf die Quellseite ausübt. So kann z.B. Firma XY irgendwann mal den hiesigen Fußballverein mit Trikots versorgt und dieser sich wiederum artig mit entsprechender Verlinkung auf der Homepage bedankt haben. Dies ist selbstverständlich durchweg natürlich. Aber das Gros sollte aus thematisch passenden Umgebungen stammen und dies beinhaltet auch den umschließenden Content. Sicherlich ist es durchweg möglich mit viel Phantasie auch auf nicht wirklich passenden Seiten einen Link zu setzen, sodass er irgendwie thematisch zu passen scheint. Hiervon ist jedoch abzuraten.

Sichtbarkeit einer Seite prüfen und richtig deuten

Zahlreiche SEO-Tool-Anbieter bieten die Möglichkeit, die Gesamtsichtbarkeit einer Domain in den Suchmaschinen bewerten zu können (beispielsweise Sichtbarkeitsindex der Firma Sistrix bzw. SEO-Visbility bei der Software aus dem Hause Searchmetrics). Die Sichtbarkeit liefert einen schnellen Überblick darüber, ob die mögliche Linkquelle überhaupt „sichtbar“ ist. In Sachen Sichtbarkeit sollte dabei darauf geachtet werden, inwieweit die Seite mit oder zu meinem Keyword-Set passenden Keywords rankt und ob die Seite „sichtbar“ ist. Eine hohe Sichtbarkeit schlägt hier jedoch nicht zwangsläufig eine niedrige Sichtbarkeit.
Offeriert die zu optimierende Seite ein vergleichsweise schwach umkämpftes Produkt (Nischenprodukt) wie beispielsweise „Hamsternahrung“ (2.660 Ergebnisse), so hat diese per se nicht die Möglichkeit, eine gleich hohe Sichtbarkeit zu erreichen wie eine im entferntesten Sinne anverwandte Seite, die sich mit Fischnahrung (32.000 Ergebnisse) oder aber Tiernahrung im Allgemeinen (8.540.000 Ergebnisse) beschäftigt. Dies gilt natürlich ebenso für die potenziell linkgebende Seite. Würde uns nun die „Gute-Link-Fee“ einen Link anbieten, wäre in den meisten Fällen der Link des „Hamsterzüchtervereins – gesunde Hamsternahrung aus Hintertupfingen“ einem Link aus einem großen Tiernahrungsshop oder gar einer allgemeinen Seite vorzuziehen. Eine niedrige Sichtbarkeit würde hier die höhere Sichtbarkeit schlagen.

Die Gesamtsichtbarkeit liefert weiterhin einen Aufschluss darüber, wie konstant die Sichtbarkeit in den letzten Monaten/Jahren war. Hier ist ein auffälliges Merkmal, wenn eine Seite alle Google-Updates im übertragenden Sinne „abonniert“ hat. Wenn also die Einbrüche der Gesamtsichtbarkeit zu den einschlägigen Updates (Panda, Penguin & Co.) vorzufinden sind, ist eine Linkintegration der eigenen Seite kritisch zu betrachten. Größere Einbrüche (> 30%) binnen weniger Wochen sind ebenfalls kritisch zu beäugen. Ist dies vielleicht doch nur einem vollzogenen Relaunch geschuldet, der Veränderung des Contents oder bestanden/bestehen doch andere Gründe?

Domain-Pop und Linkanzahl

Die Domain-Pop (Domain-Popularität) gibt die Anzahl domainunterschiedlicher Links an. Ist auf einer Seite ein seitenweiter Link gesetzt (z.B. im Footer oder in der Sidebar), wird dieser zur Ermittlung der Domain-Pop nur einmal gezählt. Dies gilt auch für Links, die auf unterschiedlichen URLs der gleichen Domain zu finden sind. Vor allem die seitenweiten Links führen dazu, dass die Linkanzahl je nach Größe der Quellseite rapide ansteigt.

In einigen Fällen kann dies durchaus natürlich sein. Beispielsweise bei der Verlinkung eines weiteren Firmenstandortes im Footer. Nicht selten ist dies jedoch einer eher unnatürlichen Praktik der Linkgenerierung geschuldet. Hier sollte das Verhältnis zwischen Domain-Pop und der rein auf Quantität ausgelegten Linkanzahl betrachtet werden. Ist die reine Linkanzahl deutlich höher als der Domain-Pop, sollte geprüft werden, welche Seite(n) die domainübergreifenden Links liefern. Wirkt dies unnatürlich, ist es sinnvoll dies in die Bewertung miteinfließen zu lassen. Neben dem Verhältnis dieser beiden Kenngrößen sollte auch der Domain-Pop beäugt werden. Je höher, desto besser, ist nicht selten zu lesen. Die Domain-Pop sollte jedoch relativ betrachtet werden und möglichst größer 10 sein.

Zeige mir deine Links und ich sage dir, wer du bist

Nicht selten „rankt“ eine Seite aktuell sehr gut und auch die Sichtbarkeit ist „ordentlich“. Die Linkstruktur der potentiellen Seite sagt in vielen Fällen daher mehr aus, als der Seite auf den ersten Blick anzusehen ist. Vor allem kann sie einen Blick in die Zukunft gewähren. Sie verrät einiges darüber, woher die Links stammen, ob die Links primär themenrelevant sind, ob sich klassische „SEO-Links“ im Linkprofil befinden und inwieweit die Ausrichtung der Linktexte auf harte Keywords erfolgte. Lassen sich hier die unnatürlichen Signale wiederfinden, kann dies einen Rückschluss darauf zulassen, wie mit der jeweiligen Seite „umgegangen“ wird, und viel wichtiger, wie sie sich in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird.

Auch die Linkvielfalt liefert einen nicht unerheblichen Rückschluss auf die Natürlichkeit. So sollte eruiert werden, ob nicht nur Blog- bzw. Artikel-Links vorzufinden sind. Existieren auch klassische Content-Links im Linkprofil? Verfügt die Seite über Social-Signals (wichtig: Passen diese auch zur Seite und wirken homogen zur Linkstruktur?), so kann dies weiterhin als natürliches Kriterium eingeordnet werden.

Neben der eingehenden Linkstruktur sollten ebenfalls die eigenen externen Links betrachtet werden. Sind die ausgehenden Links themenrelevant oder werden diese auch themenfremd verlinkt? Falls ja: kritisch betrachten. Dies muss nicht unnatürlich sein, ist es jedoch in vielen Fällen. Ist der Link im Tenor „Achja, neben unseren Badmöbeln finden Sie natürlich auch Tiernahrung beim Shop XY“ eingebunden, ist dieser Link mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit via Tausch, Kauf oder sonstiger Gefälligkeit entstanden. Wie viele Links gehen denn insgesamt nach außen? Ist beispielsweise jeder oder jeder zweite Blogbeitrag nach außen verlinkt, wirkt dies ebenfalls nicht sonderlich natürlich. Im Zuge dessen sollte dann noch betrachtet werden, wie die ausgehenden Links gesetzt wurden. Generell bestehen dabei die beiden Möglichkeiten, diese entweder als weiterführende Information, als ergänzenden Mehrwert zum jeweiligen Text oder als nahezu ausschließlich offensichtliche „SEO-Links“ mit harten Keywords auszurichten.

Kleider machen Leute

Bei Websites lässt sich dies auf den ersten Eindruck und das Design ummünzen. Der Content komplettiert das Gesamtbild. Handelt es sich um eine neue oder um eine „alte“ Domain (Stichwort Domainalter)? Wirkt die linkgebende Seite ansprechend und verfügt sie über eine gut bedienbare Seitennavigation? Hindern technische Widrigkeiten (Seitenladegeschwindigkeit, Programmierfehler etc.) beim Surfen und Navigieren? Sofern Werbung eingebunden ist, sollte diese nicht als störend oder gar lästig empfunden werden.

Sicherlich sind die hier beschriebenen Aspekte subjektiv, jedoch liefern diese einen ersten Eindruck, wie es um das Userverhalten auf der Seite bestellt ist. Userverhalten ist rankingrelevant. Daher ist somit wieder ein möglicher Blick in die Zukunft möglich und auch lässt sich auf diese Weise besser abschätzen, ob der Link womöglich qualifizierten Traffic liefert oder eben nicht.

Wie hochwertiger Content verfasst werden kann, ist an vielen Stellen nachzulesen und auch füllt dieses Thema nicht wenige Bücher. Bei der Bewertung einer Seite in Hinblick auf eine mögliche Link-Integration können einige recht zügig erkennbare Elemente wichtige Erkenntnisse liefern. Zu diesen zählen die Aktualität der Texte, die Regelmäßigkeit, mit der Einträge geschrieben, gebloggt und/oder diskutiert werden, inwieweit die Texte ansprechend wirken und zum Lesen anregen, ob in diesen auch weiterführende Informationen wie Bilder (nicht nur Stock-Fotos), Videos, Verweise zu Statistiken, eine Präsentation usw. enthalten sind und die Variation der Textlänge.

Trust

Das Thema Trust und Autorität kann vielfältig gesehen und interpretiert werden. Zum einen kann eine Seite selbst eine Autorität in einem bestimmten Themengebiet darstellen und strahlt somit „Vertrauen und Autorität“ aus. Sehr häufig werden auf eben solche Seiten sog. Trust-Links platziert. Dies bedeutet, dass beim Setzen eines Links auf einer Seite auch eine sog. vertrauenswürdige Seite „mitverlinkt“ wird, um die eigene bzw. zu verlinkende Seite in einem Atemzug zu nennen. Diese Praktik soll den gesetzten Link vertrauenswürdiger erscheinen lassen. Erhält die eigene Seite jedoch von eben einer solchen vertrauenswürdigen Seite einen direkten Link, kann dieser als sehr hochwertig eingestuft werden.  Weiterhin kann eine mögliche linkgebende Seite Trust-Links im eigenen Linkprofil besitzen, was ebenfalls ein vertrauenswürdiges Signal darstellen kann. In jüngster Vergangenheit wurde in diversen SEO-Blogs ebenfalls der sog. Author-Rank diskutiert, somit kann also ein bestimmter Autor aus vertrauenswürdig eingestuft werden. Vertrauen und Autorität kann eine linkgebende Seite auf verschiedene Arten repräsentieren und durch den Link auf die Zielseite vererben. Schlussendlich handelt es sich hier um ein wichtiges und förderndes Signal.

Fazit

Für die Beurteilung einer Linkquelle können und sollen zahlreiche Kriterien wichtig sein bzw. sollten diese beachtet werden. Die in diesem Artikel aufgeführten „Prüfkriterien“ können sicherlich noch um einige Aspekte komplettiert werden und verändern sich im Laufe weiterer Algorithmenzyklen. Bei der Bewertung eines Linkprofils gilt die nicht selten gebetsmühlenartig angesprochene Natürlichkeit als wichtigstes Kriterium und wird an Bedeutung gewinnen.

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