Der Google-Rankingfaktor HTTPS

von Timo Abid

Anfang August hat Google zum ersten Mal in seiner Geschichte offiziell einen relevanten Rankingfaktor im Webmaster Central Blog bekannt gegeben. Die klare Kernaussage des Statements lautet, dass HTTPS zukünftig als positives Ranking-Signal verwendet wird. Jedoch wird dem Rankingfaktor derzeit (noch) eine relativ geringe Bedeutung (weniger als 1%) beigemessen, um den Webmastern die nötige Zeit zu bieten, eine reibungslose Umstellung von HTTP auf HTTPS zu ermöglichen. Mit diesem Schritt zielt Google darauf ab, die Sicherheit im Web erhöhen und ist im Jahr 2012 bereits selbst mit gutem Beispiel vorangegangen, indem Google seine eigenen Dienste HTTPS verschlüsselt hat.

Was unterscheidet HTTPS von HTTP?

„HTTPS ist, wie auch das HTTP-Protokoll, ein Kommunikationsprotokoll zur Datenübertragung im Internet. Der Unterschied zwischen HTTPS und HTTP besteht in der verschlüsselten und abhörsicheren Übertragung der Daten mittels SSL/TLS – welches ein Verschlüsselungsprotokoll ist.“

Die Mehrheit der Webseiten ist derzeit noch unverschlüsselt und entspricht dem klassischen HTTP-Website-Traffic, d.h. jeder Dritte kann den Traffic und die übertragenen Daten im Internet einsehen und manipulieren. Wird hingegen ein sog. SSL-Zertifikat verwendet, erfolgt die verschlüsselte Kommunikation und der Datentransfer zu einer Webseite, sodass die persönlichen Informationen vor dem unbefugten Zugriff Dritter geschützt sind. Ein solches SSL-Zertifikat muss von einer anerkannten Zertifizierungsstelle erworben und beglaubigt werden. Wichtig ist, dass nur ein validiertes SSL-Zertifikat von Google als signifikanter Rankingfaktor gewertet wird. Demzufolge haben Webmaster darauf zu achten, dass ein SSL-Zertifikat von der sog. „Certification Authority“ (CA) bestätigt wurde. Eine SSL-validierte Webseite ist i.d.R. auch leicht an der URL-Struktur im Webbrowser zu erkennen.

Welche Vorteile bietet Umstellung auf HTTPS?

Neben der Tatsache, dass Google vielleicht zukünftig einer HTTPS-Verschlüsselung eine noch größere Bedeutung beimessen wird, spielen vor allem die Aspekte Sicherheit und Vertrauen eine maßgebliche Rolle im Entscheidungsprozess für die Umstellung auf das verschlüsselte Kommunikationsprotokoll. Eine HTTPS-verschlüsselte Webseite ist i.d.R. auch für den User leicht über die Adresszeile im Webbrowser zu identifizieren. Bei den meisten Browsern (siehe Abbildung) zeigt ein kleines Schlosssymbol den Einsatz eines SSL-Zertifikats für die Webseite an. Insbesondere vor dem Hintergrund von zunehmenden Hacker-Angriffen und Datendiebstählen werden solche Vertrauenssignale von Usern wie auch Google positiv bewertet.

Nicht zu vergessen ist jedoch die Tatsache, dass ein SSL-Zertifikat erst einmal erworben werden muss und dies u.U. recht teuer werden kann, je nach Umfang und Traffic der Webseite. Des Weiteren ist i.d.R. damit zu rechnen, dass sich die Serverantwortzeiten infolge einer Umstellung auf HTTPS verlängern können. Dieser Aspekt könnte besonders für stark frequentierte Webseiten mit einem hohen Datenverkehr ein potentielles Problem darstellen. Aus diesem Grund ist es zu empfehlen, die Servergeschwindigkeit und noch vorhandenes Potential des Servers gründlich vor einer Umstellung auf HTTPS zu prüfen.

Unsere Tipps für die Umstellung auf HTTPS!

  • Essentiell für den Umstellungsprozess, um keinen Link Juice von externen Backlinks zu verlieren, ist der Einsatz von Redirects und Canonicals. Langfristig ist eine 301-Redirect die beste Lösung, um eine domainweite Umstellung von HTTP auf HTTPS durchzuführen.
  • Ebenso müssen auch interne Verlinkungen auf die neue HTTPS-Variante der URL umgestellt werden.
  • Die Umstellung auf HTTPS erfordert auch eine neue Eintragung der Domain in den Google Webmaster Tools (insofern genutzt), um zukünftig über Statusmeldungen von Google zum Crawling der Webseite informiert zu bleiben.
  • Eventuell kann es ebenfalls notwendig sein, Tracking-Tools (z.B. Google Analytics) auf eine HTTPS- Verschlüsselung der Webseite anzupassen.
  • Bei einer ganzheitlichen Umstellung der Domain ist darauf zu achten, dass auch Bilder, Videos, CSS, JavaScript, etc. HTTPS verwenden, da ansonsten Sicherheitsmeldungen seitens des Browsers ausgegeben werden könnten.
  • Um das Problem mit mangelhaften Serverantwortzeiten zu lösen, empfiehlt es sich, das Netzwerkprotokoll „SPDY“ zu verwenden. Dieses hat Google speziell für die Übertragung von Web-Content entwickelt hat. Es manipuliert HTTP-Traffic mit dem Ziel, die Ladezeiten von Webseiten zu verringern und die Sicherheit im Netz zu verbessern.
  • Wichtig ist ebenso, dass HTTPS auch von allen Suchmaschinen-Bots gecrawlt (Google Bot, Google Mobile-Bot) werden darf. Oftmals schließen HTTPS Verschlüsselungen das Crawling durch Bots aus.
  • Es ist darauf zu achten ein 2048-Bit-Schlüsselzertifikat im Rahmen der Umstellung für das HTTPS-Protokoll zu verwenden.

Fazit

Schlussfolgernd kann zusammengefasst werden, dass Google mit der Aussage, HTTPS zu einem Rankingfaktor zu ernennen, sich in die eigenen Karten spielt. Zwar werden Webseiten nach der Umstellung auf das HTTPS-Protokoll einen langfristigen Nutzen in puncto Ranking, Sicherheit und Vertrauen davontragen, allerdings wird damit das Surfverhalten von User zunehmend schwerer zu tracken und analysieren sein.

Es ist ratsam einen Umzug auf HTTPS sorgfältig vorzubereiten und seine Hausaufgaben im Vorfeld gründlich zu absolvieren. Andernfalls könnte der von Google erwähnte positive Einfluss auf das Ranking in Frust und Ärger enden, wenn unnötige Fehler im Umstellungsprozess unterlaufen.

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