Voice-Search: Die ultimative FAQ

von Timo Abid

Ist die Sprachsuche die Zukunft der Suchmaschinenoptimierung?

Die Sprachsuche (engl. voice search) existiert bereits seit 2011 und sie erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Es gibt sie nicht nur bei Google. Andere Suchmaschinenanbieter bieten sie ebenfalls an. Sie findet in letzter Zeit auch immer häufiger Einzug in Konsolen und speziellen Geräten, die dazu dienen sollen, uns das Leben zu erleichtern.

In dieser FAQ gehen wir allen wichtigen Fragen nach, die in Bezug auf die Sprachsuche und auf die Wechselwirkungen mit der Suchmaschinenoptimierung entstehen.

 

Was ist Sprachsuche/Voice-Search?

Wer erinnert sich noch an Star Trek? Captain Picard hat eine Frage und spricht: „Computer! Wie lange dauert es noch bis zum Planeten X“. Innerhalb einer Sekunde lieferte der Computer die Antwort: „Bei aktueller Geschwindigkeit noch zwei Tage, drei Stunden und 45 Sekunden.“

Im 24. Jahrhundert sollte Sprachsuche also kein Problem mehr sein. Ganz so lange müssen wir jedoch nicht mehr warten. Googles Sprachsuche gibt es schon seit 2011. Zuerst in den USA und ein paar Jahre später auch in Deutschland.

Allgemein lässt sich festhalten, dass die sprachgestützte Suche die Technologie der Spracherkennung mit einer API, also einer Programmierschnittstelle, verbindet. Man spricht eine Frage, die Audiodatei wird an Google übermittelt, der Algorithmus übersetzt die Sprache in eine Zeichenfolge, diese wird wie gehabt im Hintergrund in den Suchschlitz eingetippt, je nach Gerät werden die Ergebnisse werden und die freundliche Googlestimme liest die Antwort vor, wenn sie denn eine kennt.

 

Wer bietet alles eine Sprachsuche an?

Google ist wahrlich nicht die erste oder einzige Suchmaschine, die online Spracherkennung verwendet. Auch bekannt sind z. B. Siri von Apple, Cortana von Microsoft. Aber auch andere Geräte bieten seit vielen Jahren eine Spracherkennung, darunter beispielsweise auch die XBOX von Microsoft. Neuerdings drängt Amazon mit diversen Geräten in den Voice-Markt ein und konkurriert direkt gegen Google, die ebenfalls Geräte produzieren, die Sprache – nicht nur zum Suchen – verarbeiten können. Mit Amazons „Echo“ kann man auch gleich das Shopping erledigen und Googles „Home“ steuert auch das Smart Home.

Geräte mit Google Home Anbindung

Kühlschränke, Kochherde, Wasch- und Spülmaschinen von LG und anderen Herstellern lassen sich mit Google Home steuern

 

Diese Appliances sind also deutlich mehr als nur reine Wissensbefriediger. Sie werden in Zukunft immer mehr automatisierbare Aufgaben übernehmen.

 

Wie bedient man die Sprachsuche?

Google demonstriert in diesem Video von 2011, wie Menschen die Voice-Search benutzen sollen:

 

Darunter fallen Fragen nach dem „Wetter“, Rezeptsuchen, „Wie pellen Affen eine Banane“, „Das Beste Baumhaus aller Zeiten“, Sprachübersetzungen von einzelnen Wörtern und Fluginformationen.

Auffällig ist hier, dass Google schon damals viele recherchelastige Anfragen als Beispiele liefert.

Jedenfalls ist es seit oder eben wegen der Sprachsuche zu einer Veränderung im Suchverhalten gekommen. Wer eine Suchanfrage eintippt, der schreibt in der Regel nur das Keyword vor: „Autor Per Anhalter durch die Galaxis“. Wer jedoch spricht, der formuliert eine vollständige Frage: „Wer hat Per Anhalter durch die Galaxis geschrieben?“ und verwendet unter Umständen andere Keywords bei der Suche.

Ablauf einer Suchanfrage

 

Der Teil des Suchalgorithmus', der für das Erkennen der Suchintention zuständig ist, muss demnach immer schlauer darin werden, menschliche Sprache richtig zu interpretieren.

Weitere Informationen hierzu auf Googles offizieller Seite zur Voice-Search.

 

Welche Sprachkommandos lassen sich nutzen?

Übersicht über Google Sprachbefehle

 

Der Softwareentwickler und Trainer Kristijan Ristovski bietet auf ok-google.io eine kategorisierte Liste mit über 150 Befehlen und über 1.000 Variationen der Voice-Search an.

 

Mit welchen Apps funktioniert die Voice-Search von Google?

Am einfachsten lässt sich die Voice-Search von Google mit den Apps von Google testen:

Google App

Die offizielle App bietet neben der Sprachsuche viele weitere Helfer, die bei der Informationsbeschaffung unterstützen.

So funktioniert die Google App zur Suche: „Was ist SEO?“

Google Assistant

Der Google Assistant geht noch einen Schritt weiter als die Google App. Er ist ein Chat-basiertes System, mit dem sich neben der Voice-Search auch tägliche Aufgaben erledigen lassen (Termine setzen, Erinnerungen erstellen, Countdown einstellen etc.). Auf Android Phones ist der Google Assistant direkt eingebaut und erscheint bei langem Drücken der Startbildschirmtaste (analog Apples Siri).

Speech-API

Für Entwickler bietet Google auch eine API, mit der eigene Anwendungen die Spracherkennungstechnologie implementieren können.

 

Wie viele Suchen werden heute und in Zukunft über Sprache ausgeführt?

Bereits im Mai 2016 gab Google-CEO Sundar Pichai bekannt, dass 20 Prozent der Suchanfragen als Voice Search ausgeführt würden – Tendenz steigend. Laut verschiedenen Schätzungen werden im Jahr 2020 zwischen 30–50% aller Suchanfrage gesprochen.

Es steht also außer Frage, dass die Voice-Search zu einem festen Bestandteil der Suchmaschinenoptimierung wird.

 

Wie gut ist Googles Voice-Search?

Insgesamt erstaunlich gut, auch wenn sie sicherlich noch in den Kinderschuhen steckt.

Zuerst lässt sich festhalten, dass die Voice-Search natürlich für den Suchenden sehr komfortabel ist. Sprachsuchen sind schnell gesprochen und aufgrund der Geschwindigkeit fällt es leicht auch nach längeren Phrasen zu suchen.

Der Toolanbieter Searchmetrics hat sich dieser Fragestellung in einem Blogbeitrag angenommen: „Voice Search im SEO-Check: Liest Google Home immer das erste Suchergebnis vor?

Laut dem Beitrag werden Sprachsuchen nicht immer zufriedenstellend beantwortet. Es komme vor allem darauf an, dass eine Website auf der entsprechenden Unterseite strukturierte Daten implementiert, damit Google daraus in den Ergebnissen ein Featured Snippet machen kann. Der Text im Featured Snippet wird dann als „Direct Answer“ von Google vorgelesen.

Ein Problem mit Geräten wie Google Home: „Während man am Desktop weitere Ergebnisse aufrufen kann, lässt Google Home den Nutzer etwas ratlos zurück.“.

Screenshot: Searchmetrics

 

Nicht immer liest Google dabei das erste Ergebnis vor. Es kann durchaus vorkommen, dass Google eine Direct Answer auf der Suchergebnisseite auf Platz 1 anzeigt, aber dennoch den weiter unten stehenden Text der Wikipedia vorliest. Unsere Recherchen haben gezeigt, dass sich dieses Verhalten durchaus ändern kann. Hier ein Screenshot vom 13.11.2017:

Screenshot: seo2b – Wikipedia auf Platz 1 und wurde auch vorgelesen

 

Das wahrscheinlich wichtigste Finding von Searchmetrics ist aber sicher, dass „transaktionale Suchanfragen“ (z. B. „Was ist der beste Kinderwagen?“) oder Fragen nach „aktuellen Nachrichten“ (eigene Anmerkung: vermutlich auch wegen dem Fake-News-Phänomen) aktuell noch nicht beantwortet werden.

 

Kommen durch die Voice-Search nicht weniger Besucher auf die eigene Website?

Wenn Sprachsuchen direkt in Antworten resultieren, die sofort von Google beantwortet werden, ist es dann nicht von großem Nachteil für Website-Betreiber, darauf auch noch zu optimieren? Diese klicken dann gar nicht mehr durch.

Beispiel Übersetzung Huhn - Chicken

Screenshot: seo2b – Für die Suche „Übersetze Huhn ins Englische“ liefert Google nicht nur das Wort und die richtige Schreibweise, die Übersetzung wird auch gleich vorgelesen und somit die korrekte Aussprache demonstriert.

 

Im Screenshot ist klar zu erkennen, dass es nicht mehr notwendig ist, auf Websites wie dict.cc zu gehen, um eine Übersetzung zu erhalten. Wobei dies auch für die geschriebene Suche gilt. Das ist unter Umständen für einen werbefinanzierten Anbieter wie dict.cc ein schmerzhafter Verlust. Er wird zwar nicht seine kompletten Besucher verlieren, aber vermutlich einen beachtlichen Teil.

Auf der anderen Seite ist die Antwort für den Suchenden deutlich komfortabler. Er erhält nicht nur die Übersetzung, sondern auch die Aussprache und das sofort nach der Frage.

Alle Fragen, die sich mit einem einzelnen Wort oder 1–2 kurzen Sätzen beantwortet lassen, sind davon betroffen. Wer eine solche Website betreibt, sollte größten Wert darauf legen, dass die Antwort auf diese einfachen Fragen den Wunsch nach mehr Informationen auslöst. Dies wird natürlich nicht in allen Fällen gelingen. Aber da, wo es möglich ist, sollten Website-Betreiber darauf achten.

Unterm Strich ist es so, dass Google seine Nutzer zufriedenstellen muss, um selbst relevant zu bleiben, bzw. wachsen zu können. Durch die schnellere Antwort wird der Nutzer glücklich gemacht und kommt daher immer wieder zurück zu Google – auch mit Fragen, für die die Voice-Search keine ausreichende Antwort liefert. Und in diesem Fall muss der Nutzer durchklicken. Und so ist das, was für Google gut ist, auch mal wieder für den geneigten SEO gut.

Auch wenn es durch die Voice-Search sicher Kollateralschäden gibt, so führt sie auch dazu, dass Google weiterhin eine große Anzahl an Besuchern liefern kann.

 

Wie kann man für Voice-Search optimieren?

Wer für die Voice-Search optimieren will, beachtet einige bereits seit vielen Jahren gültige Best Practices:

Longtail-Optimierung

Grundlage für die Voice-Search-Optimierung ist das Verständnis, dass die reine Optimierung auf Keywords bzw. Keywordkombinationen nicht mehr ausreichen wird. Suchende sprechen oft ganze Sätze und stellen dabei W-Fragen:

  • Wie koche ich ein Ei?
  • Wie viele Einwohner hat Trier?
  • Wie schwer ist die Sonne? (übrigens ganz schön schwer: 1,989 x 10^30 kg)

Diese Sätze/W-Fragen können auch als Longtail-Keywords verstanden werden. Für die Voice-Search zu optimieren, bedeutet als einfach, besser in der Longtail-Recherche zu werden. Dies gehört ohnehin zur Aufgabe eines SEOs dazu.

Direct Answers und Featured Snippets

Wichtige Keywords gehören in ein Featured Snippet. Um sie dort reinzubekommen, ist es notwendig die relevanten Begriffe in strukturiertes Markup zu verpacken. Nur so kann Google die Antwort vorlesen.

In das Markup kommen idealerweise die Frage als Überschrift und eine ca. 40–50 Wörter lange Antwort als Text oder als Liste.

Beispiel-Markup für die Suche nach „Wie male ich einen Stern“ von Wikihow:

<script type="application/ld+json">{
    "@context": "http://schema.org",
    "@type": "Article",
    "headline": "Einen Stern zeichnen",
    "name": "How to Einen Stern zeichnen",
    "mainEntityOfPage": {
        "@type": "WebPage",
        "id": "https://de.wikihow.com/Einen-Stern-zeichnen"
    },
    "image": {
        "@type": "ImageObject",
        "url": "https://www.wikihow.com/images_en/thumb/e/ea/Draw-a-Star-Step-24.jpg/v4-728px-Draw-a-Star-Step-24.jpg",
        "width": 728,
        "height": 546
    },
    "author": {
        "@type": "Organization",
        "name": "wikiHow",
        "url": "http://www.wikihow.com",
        "logo": {
            "@type": "ImageObject",
            "url": "https://www.wikihow.com/skins/owl/images/wikihow_logo_name_green_60.png",
            "width": 326,
            "height": 60
        }
    },
    "datePublished": "2012-06-17",
    "dateModified": "2016-11-07",
    "publisher": {
        "@type": "Organization",
        "name": "wikiHow",
        "url": "http://www.wikihow.com",
        "logo": {
            "@type": "ImageObject",
            "url": "https://www.wikihow.com/skins/owl/images/wikihow_logo_name_green_60.png",
            "width": 326,
            "height": 60
        }
    },
    "description": "Einen Stern zeichnen. Willst du lernen, wie man einen Stern zeichnet? Wenn du diesen Schritten folgst, wirst du im Handumdrehen regelm\u00e4\u00dfige f\u00fcnf- und sechszackige Sterne zeichnen k\u00f6nnen. Zeichne ein umgekehrtes \"V\". Beginne auf der linken u..."
}
</script>

 

Welches Markup im Detail notwendig ist, kann man auf schema.org nachlesen. Searchmetrics bietet ein umfangreiches Tutorial hierzu an: Direct Answers bei Google: Wie ranke ich mit direkten Antworten?

Lokale Optimierung in Google My Business

Ein großer Teil der Suchanfragen kommen über das Smartphone von Menschen, die unterwegs sind oder einfach nach lokalen Informationen suchen. Auf die Frage „Wo ist die nächste Pizzeria“ antwortet Google: „Dies sind die Einträge für nächste Pizzeria im Umkreis von acht Kilometern.“ und listet eine Map und diverse Pizzerien in den lokalen Ergebnissen auf.

Wer dort gelistet werden möchte, der muss Business-Eintrag im Branchenverzeichnis Google My Business pflegen und die eigene Website mit dem korrekten Markup auszeichnen.

 

Gibt es Auswirkungen auf die Suchmaschinenoptimierung?

Wer eine Website betreibt, die nur minimale (dünne) Informationen liefert, läuft Gefahr, dass Google unter Umständen gar keine Besucher mehr schickt. Es geht also darum, dass die Inhalte auf einer Website immer ausführlich genug sind, dass ein Suchender auch stark davon profitiert, wenn er auf ein Suchergebnis klickt, um an weiterführende Informationen zu gelangen.

Im Prinzip ändert sich für die Suchmaschinenoptimierung nichts oder wenn überhaupt nur wenig. Es müssen nach wie vor Inhalte mit Mehrwert erstellt werden. Diese gilt es

  1. korrekt auszuzeichnen (Stichwort: Strukturierte Daten) und
  2. so gut zu machen, dass andere Menschen auch mal gerne einen Link darauf setzen.

Die Zauberformel „Korrekte Technik + Content + Links = Gute Rankings“ bleibt von der Voice-Search unberührt.

 

Fazit

Alles in allem lässt sich festhalten, dass sich Googles Voice-Search aktuell noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Sie ist in vielen Fällen schon nützlich, allerdings gibt es auch noch viele Lücken. Sobald Fragen etwas komplizierter werden, liefert die Sprachsuche keine Antworten mehr. Suchanfragen mit kommerziellem Hintergrund und Nachrichten bleiben im Moment noch außen vor.

Für die Suchmaschinenoptimierung ändert sich nicht sehr viel, außer dass es noch ein weiteres Incentive dafür gibt, strukturierte Daten und Google My Business ordentlich zu nutzen. Alles während die Keyword-Analysen noch tiefer werden und typische Fragen mit in den zu optimierenden Text einfließen dürfen.

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